Der Glaswaldsee – Das blaue Auge

(Dunkle Sage aus dem Wolftal, nach Heinrich Hansjakob)
Prolog
Hoch oben im Wolftal, dort, wo sich die Gemarkungen von Schapbach und Bad Peterstal berühren, liegt ein Wasser, das kein Wind bewegt.
Auf 839 Metern über dem Meeresspiegel ruht der Glaswaldsee am südöstlichen Hang der Lettstädter Höhe, die sich mit ihren 966 Metern dunkel über ihn erhebt. Tief eingesunken in den Buntsandstein, wie von uralter Hand aus dem Berg geschlagen, liegt er da – reglos, schwer, unbeirrbar.
Die Alten sagten, ein Gletscher habe ihn geformt.
Andere nannten ihn das blaue Auge des Berges.
Wer lange genug in dieses Wasser blickt, dem ist, als blicke etwas zurück. Nicht feindselig – aber wach. Heinrich Hansjakob schrieb, der See liege da wie ein Stück Ewigkeit: düster, melancholisch, voll schweigender Gedanken. Und niemand im Tal zweifelte daran, dass in dieser Tiefe Wesen lebten, die nicht ganz zur Welt der Menschen gehörten.
Das Wesen aus der Tiefe
In früheren Zeiten hausten im Glaswaldsee die Seemännlein.