Die Waldulmer Hexen und der Ruf der alten Erde

Ein Märchen aus Kappelrodeck

© 18.07.2025 Gerd Groß


🧭 Die Wanderung als Erzählraum

Diese Sage folgt einer realen Wanderroute.
Jede Station der Wanderung entspricht einem Kapitel der Geschichte.

Der Weg ist damit nicht nur Kulisse, sondern Teil der Handlung.

📍 Die Örtlichkeit erleben in Wanderwelten

🔗 Hotspot: Waldulm

Ein Hörerlebnis der besonderen Art. Folgen sie den Wegen und erleben die Wanderung neu.

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PROLOG – DER RUF DES WALDES

Hoch über dem Tal von Waldulm, wo die Tannen wie dunkle Säulen in den Himmel steigen, existiert eine alte Wahrheit, die nie ganz verstummt ist.

Die Menschen nennen es Wald.
Doch der Wald nennt die Menschen anders.

Denn tief zwischen Felsen, Quellen und Wurzeln lebt etwas, das älter ist als jedes Dorf:
die Erinnerung der Erde selbst.

Man sagt, es gäbe Frauen im Inneren dieses Waldes – nicht geboren aus dem Dorf, sondern aus Stein, Wind, Wasser und Feuer.
Sie erscheinen nur jenen, die zuhören können.

Und der Wald entscheidet, wer das darf.

🌿 KAPITEL 1 – DER RUF DER ERDE

Silas von Waldulm war kein gewöhnlicher junger Mann.
Er hörte Dinge, die andere überhörten: das Knacken im Holz, das Atmen der Steine, das leise Sprechen des Windes zwischen den Tannen.

Als er den alten Steinbruch Ossola erreichte, spürte er es zum ersten Mal deutlich:
Die Erde war nicht still.

Sie beobachtete.

Ein feines Licht zog ihn in eine Felsspalte.
Dann brach der Berg.

Fels stürzte wie ein Urteil.

In letzter Sekunde trat sie aus dem Gestein:
Brunhilde.

Ihre Hände erhoben sich – und die fallenden Steine erstarrten, als hätte die Zeit selbst gezögert.

"Du hörst die Tiefe," sagte sie.
"Doch die Tiefe verzeiht keine Unachtsamkeit."

Als sie verschwand, blieb nur eine schwarze Feder zurück.

Silas verstand:
Die Erde hatte ihn geprüft.

🌬 KAPITEL 2 – DER WIND UND DAS LOSLASSEN

Am Kutzenstein wartete bereits der nächste Schritt.

Der Wind war anders dort. Nicht Luft – sondern Erinnerung.

Eine Frau stand im Übergang zwischen Sichtbarkeit und Auflösung.
Filia.

Ihr Haar bewegte sich, obwohl kein Wind wehte.

"Du suchst Halt," sagte sie leise.
"Doch der Himmel kennt kein Festhalten."

Sie zeigte ihm drei schwebende Bänder aus Moos und Federwerk – kaum sichtbar, nur im Licht des Abgrunds erkennbar.

Dann verstand Silas:
Der Wind hält nichts fest.

Nur wer loslässt, versteht die Richtung.

Als er sich umdrehte, war sie bereits Teil der Luft geworden.

💧 KAPITEL 3 – DAS WASSER DER ERINNERUNG

Am Ringelbacher Kreuz wartete Stille, die schwerer war als jedes Geräusch.

Morwen saß an einer Quelle, als hätte sie dort immer gesessen.

"Trinke," sagte sie.

Das Wasser zeigte ihm nicht Bilder – sondern Leben.

Freude. Krieg. Verlust. Namenlose Gesichter.

Alles floss ineinander.

"Wasser vergisst nichts," sagte Morwen.
"Und alles, was war, bleibt in Bewegung."

Als Silas aufblickte, war die Quelle wieder nur Wasser.

Doch sein Inneres war nicht mehr dasselbe.

🔥 KAPITEL 4 – DAS FEUER DER FORM

Im Inneren des Waldes, dort wo die Felsen alt und schwer wurden, fand er Ignis.

Die Luft war warm, ohne Quelle.

Ein glühender Holzscheit lag zwischen den Steinen – ohne Flamme, aber voller Leben.

"Feuer ist nicht Zerstörung," sagte sie.
"Feuer ist Wille."

Sie trat zurück in den Schatten, doch die Wärme blieb.

Silas begriff:
Alles Leben trägt eine Glut in sich.

🜂 KAPITEL 5 – DIE VEREINIGUNG

Am Ende des Felsenweges warteten sie alle.

Nicht als alte Mythen – sondern als Gegenwart.

Brunhilde. Filia. Morwen. Ignis.

Und über ihnen Lyra.

Der Wald war still geworden, als würde er selbst zuhören.

"Du hast die Elemente gehört," sagte Lyra.
"Doch hast du dich selbst erkannt?"

Silas schwieg lange.

Dann sagte er:
"Ich kann nicht mehr zurück, als wäre nichts geschehen."

Lyra sah ihn an – nicht hart, nicht weich.
Nur wissend.

"Dann wirst du zwischen den Welten gehen."

🌲 EPILOG – DER HÜTER DER STILLE

Am nächsten Morgen lag der Wald ruhig wie immer.

Doch Silas war verändert.

Er sprach weniger.
Er hörte mehr.

Die Menschen bemerkten es nicht direkt – nur das Dorf wurde stiller, wenn er vorbeiging, als würde etwas in der Luft für einen Moment klarer werden.

Man sah ihn oft am Backhiesel sitzen, wo Wasser, Brotduft und Wind sich treffen.

Er erzählte nichts von Hexen.

Doch wer ihm in die Augen sah, spürte:

Der Wald sprach durch ihn weiter.

Und manchmal, wenn der Wind durch die Tannen ging, klang es, als würde jemand seinen Namen nicht rufen – sondern erinnern.


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🌍 Realwelt trifft Mythos

Kappelrodeck/Waldulm - Nordschwarzwald bildet die reale Grundlage dieser Wanderung.
Die Sage ist eine narrative Verdichtung des Weges selbst.