Der Pfarrer, der Teufel und die Kinder aus Loffenau
Ein Märchen aus Loffenau
© Gerd Groß 05.10.2025
🧭 Die Wanderung als Erzählraum
Diese Sage folgt einer realen Wanderroute.
Jede Station der Wanderung entspricht einem Kapitel der Geschichte. [Pfarrberg]
Der Weg ist damit nicht nur Kulisse, sondern Teil der Handlung.
📍 Startpunkt → Route → Zielraum
[Loffenau/Kurpark] → [Laufbachwasserfall, Grillplatz Loffenau, Spielplatz Murgstraße, Spielplatz Alte Eiche, Kurpark] → [Nordschwarzwald]
🔗 Wanderung bei Outdooraktive: Märchenhafte Wanderung: Rund um Loffenau
Lehnen Sie sich zurück und tauchen Sie ein: Hier können Sie die vollständige Sage als Hörspiel erleben.
Prolog
"Es war einmal vor langer Zeit, da trug sich dies zu, wie es die Alten erzählen. Und wer Ohren hat zu hören und ein Herz, das nicht nach Gold verlangt, der versteht den Sinn darin."
Es war einmal im schönen Fachwerkdorf Loffenau, hoch am Rande des Schwarzwaldes. Über dem Dorf lag der Pfarrberg, wo im sonnigen Haus der weise Pfarrer Elias wohnte. Er war ein gütiger Mann mit weißem Bart, und die Kinder Lena (8) und Kasper (6) liebten es, seinen Geschichten zu lauschen. Von ihm lernten sie: "Ehrlichkeit ist mehr wert als Gold, und Güte stärker als jede Gier."
Doch unten im Tal, bei der dunklen Teufelsmühle, hauste der Böse. Die Leute nannten ihn verschieden: Lumpig sagten die Kinder, wenn sie ihn verspotten wollten; die Alten flüsterten von Rasselbart, weil seine Stimme wie klimpernde Münzen klang; und die Furchtsamen wagten kaum, ihn beim Namen zu nennen, sondern sprachen nur vom Schwarzen von der Mühle.
Alle Namen waren wahr, denn der Teufel trug viele Gestalten.
Die goldene Versuchung
Eines warmen Nachmittags schlich er sich in den Pfarrgarten. Dort stand ein alter Apfelbaum. Der Teufel hauchte ihn an, und augenblicklich glühten die Äpfel auf. Sie verwandelten sich in glänzende Taler, rund und hell wie Sonnenräder. Im Wind klang es, als ob Goldstücke aneinander klimperten.
Lena und Kasper sahen das Glitzern. Da flüsterte eine Stimme, rasselnd wie eine Geldtruhe:
"Pflückt sie! Wer die meisten nimmt, ist der Reichste im Dorf!"
Die Kinder vergaßen die Lehren des Pfarrers. Sie stürzten zum Baum, rissen die Taler herab, stopften sie in ihre Taschen, schubsten sich, zerrten an den Ästen und schrien durcheinander.
"Ich zuerst!" – "Nein, das ist meiner!" – "Gib her!"
So heißt es ja: "Gier frisst Hirn, und wer zuviel will, hat am Ende nichts."
Bald war kein Lachen mehr zu hören, nur noch Keifen, Weinen und Streit.
Die eigene Einsicht
Pfarrer Elias trat aus dem Haus, doch er griff nicht ein. Er wartete still, wie einer, der weiß: "Von allein wird das Herz klug."
Lena hielt eine Münze in der Hand. Sie war eiskalt, und plötzlich schämte sie sich für das böse Wort, das sie Kasper zugerufen hatte. Ihr Herz wurde schwer.
"Das macht uns nicht froh," flüsterte sie. "Es macht uns nur böse."
Sie warf den ersten Taler zu Boden. Dumpf schlug er auf – und im selben Augenblick war er nur noch ein fauler, brauner Apfel.
Kasper sah es, und auch er schüttelte alle Münzen aus der Tasche. Mit lautem Prasseln fielen sie, und jeder verwandelte sich in einen matschigen Rest.
Der Wutausbruch des Teufels
Da erhob sich ein Kreischen. Lumpig – Rasselbart – der Schwarze von der Mühle – sprang aus dem Gebüsch. Seine Augen glühten wie Feuer, sein Schatten wuchs groß wie eine Rauchwolke.
"Ihr Narren!" brüllte er. "Man nennt mich Lumpig, man nennt mich Rasselbart, man nennt mich den Schwarzen – aber ich bin immer derselbe, und ich will eure Herzen!"
Doch Pfarrer Elias legte die Hand auf den Baum und sprach ruhig:
"Du hast viele Namen, doch keine Macht über die Wahrheit. Geh zurück, woher du kamst."
Ein Rumpeln erschütterte den Pfarrberg. Schwefelgeruch stieg auf. Der Teufel verzerrte sich zu einem wirbelnden Schatten, rollte den Hang hinab zur Mühle und ließ nur ein wütendes Echo zurück, das im Tal nachhallte.
Die guten Früchte
Lena und Kasper liefen nicht zum Pfarrer, sondern zum Baum. Sie pflückten die faulen Äpfel ab und vergruben sie tief in der Erde.
"Hier sollen neue Früchte wachsen," sagte Kasper, "Früchte der Güte und der Wahrheit."
Und so erzählen die Menschen von Loffenau noch heute: Der Teufel hat viele Namen – Lumpig, Rasselbart, der Schwarze von der Mühle –, doch keiner ist stärker als ein reines Herz.
Darum, sagen die Alten, wachsen um Loffenau so viele Apfelbäume. Denn "ein guter Apfel im Korb macht fröhlicher als hundert Taler im Beutel."
🔗 Verbindung zu Wanderwelten
Diese WanderSage ist Teil von:
👉 Wanderwelten
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- Das Geheimnis des Laufbachwasserfalls (01.10.2025)
- Der Pfarrer, der Teufel und die Kinder aus Loffenau (05.10.2025)
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- Der Drache im Märchenwald und die sieben Zwerge aus Stein (20.03.2026)
Hier werden mehrere Sagen zu einer Route kombiniert oder eine Sage auf mehrere Wanderungen verteilt.
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🌍 Realwelt trifft Mythos
[Loffenau und Nordschwarzwald] bildet die reale Grundlage dieser Wanderung.
Die Sage ist eine narrative Verdichtung des Weges selbst.

