Die Schlangenprinzessin der Wasenbourg
Der Kuss der Erlösung
© Gerd Groß 20.02.2018
🧭 Die Wanderung als Erzählraum
Diese Sage folgt einer realen Wanderroute.
Jede Station der Wanderung entspricht einem Kapitel der Geschichte.
Der Weg ist damit nicht nur Kulisse, sondern Teil der Handlung.
📍 Die Örtlichkeit erleben in Wanderwelten
🔗 Hotspot: Frankreich/Region Grand Est - Département Bas-Rhin, Elsass/ Niederbronn-les-Bains
Ein Hörerlebnis der besonderen Art. Folgen sie den Wegen und erleben die Wanderung neu.
🔗 Verbindung zu Outdooractive
Diese WanderSage ist Teil von:
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Prolog – Die Tiefe der Mauern
Hoch über dem Tal, auf den zerfallenen Mauern der Wasenbourg, weht der Wind anders.
Er trägt keine Stimmen –
und doch scheint er zu flüstern.
Unter den alten Steinen, dort, wo kein Licht mehr hinreicht,
liegt ein Geheimnis verborgen, das älter ist als die Erinnerung der Menschen.
Die Alten sagen:
Nicht jede Gestalt ist das, was sie scheint.
Und nicht jede Erlösung verlangt ein Schwert.
Manchmal genügt ein einziger Kuss.
Die Sage
Einst lebte auf der Wasenbourg Prinzessin Lira –
schön wie der erste Morgen und rein wie das Wasser der Berge.
Viele Ritter warben um sie.
Doch ihr Herz gehörte nur einem:
Arion, einem einfachen Mann ohne Reichtum, aber mit einer Seele, die heller war als jedes Gold.
Ihre Liebe war still –
und gerade deshalb unzerstörbar.
Doch sie blieb nicht unbemerkt.
Tief im Wald lebte eine Zauberin,
verzehrt von Neid und dunkler Begierde.
Auch sie begehrte Arion.
Und als sie erkannte, dass sein Blick niemals ihr gelten würde,
verwandelte sich ihr Verlangen in Hass.
In einer mondlosen Nacht schlich sie sich in die Gemächer der Prinzessin.
Ein kalter Hauch.
Ein geflüsterter Fluch.
"Deine Schönheit soll vergehen.
Dein Wesen soll sich wandeln.
Du sollst werden, was die Menschen fürchten."
Als der Morgen kam, war Lira verschwunden.
An ihrer Stelle lag eine gewaltige Schlange –
grünschuppig, fremd, gefangen im eigenen Leib.
Nur ihre Augen blieben.
Und in ihnen: Verzweiflung.
Man verbarg sie tief unter der Burg.
Und die Jahre vergingen.
Viele Männer kamen.
Viele flohen.
Denn wer nur mit den Augen sieht, erkennt kein Herz.
Eines Tages aber hörte ein junger Waldarbeiter von der Sage.
Konrad war kein Ritter.
Kein Held aus Liedern.
Doch er kannte den Wald –
und das Leid.
Etwas in ihm ließ ihn nicht ruhen.
In einer stillen Nacht machte er sich auf den Weg zur Wasenbourg.
Durch zerfallene Mauern.
Durch Dunkelheit und feuchte Stille.
Bis er die Kammer erreichte.
Dort lag sie.
Ein Körper wie ein Baumstamm.
Schuppen, kalt und schimmernd.
Doch ihre Augen…
…waren nicht die eines Tieres.
Konrad blieb stehen.
Die Angst war da.
Aber sie bestimmte ihn nicht.
Langsam trat er näher.
Die Schlange hob den Kopf.
Ein leises Zischen –
nicht drohend, sondern müde.
Und in diesem Moment erkannte er sie.
Nicht die Gestalt.
Sondern das Wesen.
Er beugte sich hinab.
Ein Atemzug.
Ein Entschluss.
Dann küsste er die Stirn der Schlange.
Das Dunkel brach.
Licht erfüllte den Raum.
Warm.
Lebendig.
Die Schuppen verschwanden.
Der Körper wandelte sich.
Und als das Leuchten verging, stand sie vor ihm:
Prinzessin Lira.
"Du hast gesehen, was andere nicht sehen konnten", sagte sie leise.
"Und geglaubt, wo andere flohen."
Ihre Hand führte ihn zu einer verborgenen Kammer.
Gold.
Edelsteine.
Schätze aus vergangenen Zeiten.
Doch Konrad nahm nur wenig.
Denn sein Herz war nicht auf Reichtum gerichtet.
Als er sich wieder zu ihr wandte, begann sie bereits zu verblassen.
"Meine Zeit hier ist zu Ende", flüsterte sie.
"Doch deine Tat wird bleiben."
Ein letzter Blick.
Ein leises Lächeln.
Dann war sie fort.
Epilog – Was bleibt
Noch heute wandern Menschen durch die Ruinen der Wasenbourg.
Manche suchen Steine.
Manche Geschichten.
Und wenige…
suchen etwas, das sie nicht benennen können.
Die Alten sagen:
Nicht Mut ist es, der erlöst.
Sondern das Sehen.
Wer hinter die Gestalt blickt,
wer das Verborgene erkennt,
der trägt mehr in sich als jede Klinge.
Und manchmal –
wenn der Wind durch die Mauern zieht –
ist es, als liege noch immer ein warmer Hauch in der Tiefe.
Als hätte jemand
vor langer Zeit
keine Angst gehabt.
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🌍 Realwelt trifft Mythos
Frankreich/Region Grand Est - Département Bas-Rhin, Elsass/ Niederbronn-les-Bains bildet die reale Grundlage dieser Wanderung.
Die Sage ist eine narrative Verdichtung des Weges selbst.

