Hoffnung

Atmosphärische Lyrik · Existenzgedicht · Symbolische Poesie

Ein Gedicht über die fragile Geburt von Hoffnung, ihre Zerstörung und die stille Erinnerung an eine verpasste Möglichkeit des Neubeginns.

© Gerd Groß 24.07.2002 


"Hoffnung" ist ein poetisches Gedicht von Gerd Groß über den inneren Konflikt zwischen Schutz und Zerstörung. Es beschreibt die Begegnung mit einem zarten Zeichen von Leben und die tragische Entscheidung, dieses aus Angst vor Veränderung wieder zu entfernen.



📖 Gedicht


Ich erinnere mich noch ganz genau.
Es war einer von allen trübsten Tagen,
Der Himmel in einem tiefen Grau,
Als ich dort, auf meinem schwarzen Boden,
Ein augenblendendes Grün erblickte.


Bisher hatte ich nur Unkraut wachsen sehen,
Welches den Boden für eine kurze Zeit
Eine hässlich grüne Tönung verpasste.
Aber es hielt sich nie lange, nahm abgestorben
Schnell die Farbe meines Bodens an.


Ich schaute mir die Sache genauer an.
Es war der kleine Sprössling eines Baumes,
Der sich durch die verdorrte Erde streckte.
Mein Herz schrie auf, als ich ihn leichtfertig,
Mit kurzen, schmerzlosen Griff aus der Erde riss.


Es war nicht nur die Farbe – die Baumwurzeln
Hätten meine kostbare Erde aufgerissen.
In stillen Stunden wie heute höre ich mein Herz,
Das einstige Schreien ist nur noch ein Wimmern.
Der Boden ist bis heute schwarz geblieben.


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