Lebensabschnitt

Eine Erkenntnis 

Ich weiß nicht, ob ich dir diesen Brief jemals hätte schreiben sollen.

Vielleicht ist er längst überfällig. Vielleicht kommt er zu spät.

Ich habe verstanden, dass Lebensabschnitte enden müssen, damit neue beginnen können.
So einfach dieser Gedanke klingt, so schwer ist es, ihn zu akzeptieren. Es ist der Lauf des Lebens – ein Kommen und Gehen, wie Ebbe und Flut. Und doch zerreißt es einen, wenn man mitten darin steht.

Es tut weh, dich loszulassen. Mehr, als ich es mir je eingestehen wollte.
Und trotzdem weiß ich, dass es weitergehen muss.

Vielleicht wird es andere Menschen geben, die mir eines Tages mein Lachen zurückgeben. Menschen, die mir wieder Mut schenken und die Kraft, selbst wieder zu lieben. Denn am Ende bleibt doch nur eines wirklich wichtig: zu lieben und geliebt zu werden.

Und doch habe ich Angst.

Angst, nie wieder so fühlen zu können.
Angst, niemanden zu finden, der versteht, was in mir vorgeht.
Angst, dass das, was wir hatten, einmalig war – und nicht wiederkehrt.

Vielleicht ist das der Grund, warum "Lebewohl" so schwer fällt.
Obwohl ich längst weiß, dass das, was zwischen uns war, nicht mehr existiert.
Vielleicht ist es erstickt – an einer Liebe, die zu groß geworden ist, um noch getragen zu werden.

Und trotzdem…
ein Teil von mir wird dich immer festhalten.

Ich glaube, es wird wieder Licht geben.
Für dich. Für mich.
Nicht gemeinsam – aber vielleicht verbunden auf eine Weise, die sich nicht erklären lässt.

Es gibt Dinge, die bleiben.
Auch wenn Menschen gehen.

Und vielleicht werde ich eines Tages wirklich verstehen, was ich verloren habe.
Vielleicht werde ich dann weinen – nicht aus Schwäche, sondern weil ich begreife, dass ich etwas Wertvolles gehen ließ, ohne es auszusprechen.

"Lebewohl" ist das schwerste Wort, das ich kenne.

Denn es bedeutet, dich zum letzten Mal bei mir zu haben.

Und vielleicht…
ist genau das der Moment, in dem man erkennt, was wirklich war.

Lebewohl.

Und vergiss nicht:
Life is a rollercoaster.

© Gerd Groß 27.09.2000