Die Blaue Blume vom Mummelsee
Ein neu erzähltes Schwarzwaldmärchen für Erwachsene
© Gerd Groß 07.11.2025
🧭 Die Wanderung als Erzählraum
Diese Sage folgt einer realen Wanderroute.
Jede Station der Wanderung entspricht einem Kapitel der Geschichte.
Der Weg ist damit nicht nur Kulisse, sondern Teil der Handlung.
📍 Die Örtlichkeit erleben in Wanderwelten
🔗 Hotspot: Mummelsee, Seebach
Ein Hörerlebnis der besonderen Art. Folgen sie den Wegen und erleben die Wanderung neu.
🔗 Verbindung zu Outdooractive
Diese WanderSage ist Teil von:
👉 🔗 Wanderung bei Outdooraktive: Seebach, Ortenauer Sagenrundweg: Variation über die Hornisgrinde
👉 🔗 Wanderung bei Outdooraktive: Seebach, Ortenauer Sagenrundweg: Seebach
👉 🔗 Wanderung bei Outdooraktive: Sport-Wanderung: Ottenhöfen-Hornisgrinde
👉 🔗 Wanderung bei Outdooraktive: Seensteig 1. Ruhestein - Schönmünzach
👉 🔗 Wanderung bei Outdooraktive: Spotwanderung:Bühl-Hornisgrinde-Bühl
Prolog – Der Wanderer
Man sagt, wer im Herbst am Mummelsee verweilt, hört manchmal eine Stimme über dem Wasser. Nicht laut. Nicht menschlich. Aber voller Erinnerung.
So begann die Geschichte, die mir ein alter Wanderer an einer regnerischen Abendhütte zuflüsterte, während das Holz im Kamin knackte und die Nebel über den See krochen wie vergessene Träume, die noch einmal atmen wollen.
Die Geschichte
Hoch oben, wo der Schwarzwald in dämmernde Höhen steigt und die Winde den Atem längst vergangener Zeiten tragen, liegt der Mummelsee – ein rundes, schwarzes Auge der Erde. Er scheint zu schlafen, doch wer ihn lange genug betrachtet, spürt: Dieser Schlaf wacht.
Man sagt, in seinen Tiefen lebe ein König aus Wasser und Stein, ein uralter Herrscher mit Bart aus perlendem Licht. Sein Blick soll die Stille tragen, die nur Orte kennen, an denen Zeit nicht vergeht.
Er wohnt in einem Palast aus Muscheln, und um ihn tanzen seine Töchter – Wasserfrauen, zart wie Mondglanz auf frischem Schnee.
Elsa war neugierig, sehnsüchtig – und empfänglich für jene Liebe, die nur in Wesen wächst, die aus zwei Welten stammen.
Sie stand oft am Ufer, als lausche sie einem Ruf, den kein Mensch hören konnte.
Albrecht schwor, nie eine andere zu lieben. Doch Menschenworte sind wie Wind: Sie halten nur, solange der Wind nicht dreht.
In seinem Herzen wohnte Bewunderung, aber auch Besitz – und dieses zweite Gefühl fraß das erste langsam auf.
Die Seelilie, die an jenem Morgen auf dem See trieb, schloss ihren Kelch. Die Wasser wurden rot wie das Kleid einer Trauernden.
Uli hatte Elsa geliebt – still, hoffnungslos, aber mit jener Glut, die nur Herzen kennen, die nie gesehen werden.
Er sah sie oft mit Albrecht – und in seinem Schweigen brannte eine Frage, die niemand beantworten konnte:
Warum liebt das Licht nie den Schatten, der es trägt?
Er schwor Rache. Nicht laut. Nicht wild.
Sondern still.
Und das ist die gefährlichste Art.
Die Rückkehr
Stattdessen hob sich eine riesige Muschel aus dem Dunkel – getragen von zwei Armen – und ein hässlicher kleiner Mann reichte dem Tier den Trank.
Uli.
Und der Zwerg war keiner, wie man sie aus Kindergeschichten kennt – sondern ein Wesen aus den alten Gängen, wo das Gestein noch das Glühen der ersten Schmiede bewahrt.
"Halte sie in der linken Hand", sagte der Zwerg, "und kein sterbliches Auge sieht dich mehr. Doch bedenke: Unsichtbarkeit trägt ihren Preis."
Im großen Saal saß Hertha, sein schönes, junges Weib – und neben ihr kniete Albrecht von Hohenhorst.
Der gleiche Albrecht, der einst Elsa verraten hatte.
Sein Blick suchte Herthas Hand mit derselben Geste, mit der er früher Elsa getröstet hatte – ein Verrat, der sich wiederholte, wie ein Muster im Wasser.
Da riss der Ritter sein Schwert von der Wand.
Unsichtbar, geführt von Schmerz und Ehre, stellte er sich dem Verräter.
Jeder Schritt war schwer wie ein unausgesprochenes Wort, das endlich Form fand.
Und der Freiherr sprach mit einer Stimme, die schwerer wog als jedes Urteil:
"Ich lebe – doch nicht mehr für diese Welt. Möge Reue dein Schatten sein."
Epilog – Der Wanderer
Und es gibt jene, die in stillen Nächten glauben, unten im Wasser einen Mann zu sehen, der neben den Undinen sitzt und ihre Lieder hört, ohne je selbst eines zu singen.
Manchmal scheint er zu lauschen, als könnte ein einziger Ton ihn zurückrufen – doch keiner tut es.
Doch wer sie findet, sagt man, sollte auf sein Herz achten – denn was sie sichtbar macht, ist nicht die Welt, sondern die Wahrheit. Und die ist nicht immer das, was man zu sehen wünscht.
"Aber wenn du morgen am See bist und das Wasser sich ohne Wind bewegt — dann grüß den Wasserkönig von mir. Und horch gut hin – denn Wasser verschweigt nichts."
(Quelle: Friedrich Gottschalck, Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen, Halle 1814)
🔗 Weitere Sagen entdecken
Der Ritter und die geisterhafte Jungfrau (15.10.2025)
- Der Kreis der stillen Schritte (17.03.2026)
Das Wunder vom Bühlerstein (15.10.2025)
🌍 Realwelt trifft Mythos
Seebach/ Mummelsee - Nordschwarzwald bildet die reale Grundlage dieser Wanderung.
Die Sage ist eine narrative Verdichtung des Weges selbst.


