Die Wasenbourg: Wo Roms Götter erwachten (29.08.2020)

Lange, bevor die ersten Steinmetze des Mittelalters auch nur daran dachten, die imposanten Mauern der heutigen Wasenbourg zu errichten, lange bevor das Wehklagen einer Weißen Frau oder das Schicksal einer Schlangenprinzessin in diesen Hügeln hallte, war dieser Ort bereits von einer tiefen, fast unheimlichen Bedeutung. Es war die Zeit des Römischen Reiches, als die Legionen das Land durchzogen und ihre Götter mit sich brachten. Archäologische Funde erzählen eine faszinierende Geschichte: Hier, auf dem strategisch günstigen Felsplateau, erhob sich einst ein bedeutendes Heiligtum des Gottes Merkur.
Merkur, der geflügelte Bote der Götter, der wendige Schutzherr des Handels, der Reisenden und der Kaufleute, aber auch – so tuschelte man in den Schatten – der Diebe und Schwindler, war in den gallischen Provinzen Roms außerordentlich verehrt. Man glaubte, er besäße die Macht über Wege und Übergänge, über das Gelingen von Geschäften und die Sicherheit auf Reisen. Zahlreiche dem Merkur gewidmete Stelen und Weihinschriften wurden hier am Wasenbourg-Berg entdeckt, kunstvoll gearbeitet und als Zeugnisse alter Frömmigkeit. Heute erzählen sie im Museum von Niederbronn noch immer von jenen fernen Tagen, als Priester hier opferten und Reisende um eine sichere Heimkehr flehten.