Die Schatten auf dem alten Stein

28.01.2026

Die Sage der Schlossgeister von Eberstein

Prolog

Jede alte Burg ist mehr als nur Stein und Mörtel; sie ist ein Gefäß für Geschichten, ein Flüsterer alter Geheimnisse. Schloss Eberstein, hoch über der Murg thronend, ist da keine Ausnahme. Wenn die Dämmerung die tiefen Täler verschlingt und der Nebel wie eine schlaue Katze über die Zinnen streicht, dann erwachen sie – die Hüter der Erinnerung, die ewigen Zeugen von Freud und Leid. Man nennt sie die Schlossgeister, doch ihre Geschichte ist komplexer als bloße Spukgeschichten.

Die Sage

In den prunkvollen Sälen und kalten Verliesen von Schloss Eberstein lebte vor Jahrhunderten ein Geschlecht von Rittern, deren Schicksal untrennbar mit dem Schloss verbunden war. Der letzte dieser edlen Herren war ein Graf, dessen Herz schwer war von der Last der Kriege und dem Verlust seiner Liebsten. Er hatte seine Gemahlin in jungen Jahren verloren und seine Kinder zogen hinaus in die Welt, um nie zurückzukehren. Der einst so fröhliche Hof verstummte.

Der Graf verbrachte seine Tage damit, durch die leeren Gänge zu wandern, ein Schatten seiner selbst. Er sehnte sich nach den Stimmen, die einst das Schloss mit Leben erfüllt hatten – dem Lachen seiner Frau, ....