Das Opfer der Markgräfin

Die Sage vom Schutz über Hohenbaden
Die Sage Hohenbaden neu gefasst
Prolog
Es war ein dunkles Jahrhundert, als der Atem des Todes über das Land Baden zog. Die Welt schien aus den Fugen geraten; die Seuche, die man die Pest nannte, riss nicht nur Körper entzwei, sondern vergiftete auch die Seelen der Überlebenden. Liebe wurde zu Misstrauen, und Pflicht zu purer Angst. Doch hoch über den verzweifelten Schreien des Tals, auf den stolzen Zinnen von Schloss Hohenbaden, wachte eine Frau, deren Glaube so unerschütterlich war wie der Fels, auf dem ihre Burg ruhte.
Die Sage
Die Markgräfin von Baden blickte mit blutendem Herzen auf ihr sterbendes Land hinab. Obgleich die dicken Mauern ihrer Festung die Krankheit bisher ferngehalten hatten, konnte sie den Qualen ihres Volkes nicht entfliehen. Tag für Tag stieg sie hinauf auf die höchste Zinne, dorthin, wo der Wind des Schwarzwaldes am reinsten weht und man dem Himmel ein Stück näher zu sein scheint. An ihrer Seite spielten ihre beiden Kinder, ein Sohn und eine Tochter, noch unwissend über die Schatten, die die Welt unter ihnen verschlangen.
Eines Abends, als die Kinder im sanften Licht der Dämmerung in einen tiefen Schlaf ....