🕵️ Das letzte Echo der Murg - Akt 4 

đź“– Zum Lesen der Geschichte

Die Geschichte ist als Krimirundgang angelegt.
"…" kennzeichnet den gesprochenen Text von Gerd Groß.
[…] kennzeichnet Petras gesprochene Worte.
(…) enthält Regie- und Handlungshinweise, die während der Aufführung nicht gesprochen werden.

Die Geschichte kann unabhängig vom Rundgang gelesen werden. Wer die Ermittlungen selbst nachvollziehen möchte, sollte auf die wiederkehrenden Hinweise, Aussagen und Indizien achten.


(Bei Station 4 sind wir jetzt an einem entscheidenden Punkt: Wir wechseln von der Vorgeschichte in den konkreten Tattag. Deshalb sollten wir das Tatmotiv noch nicht erklären, aber den Druck auf den späteren Täter weiter erhöhen.

  1. Der Vertrag muss erneut auftauchen, diesmal nicht mehr nur als Vergangenheit, sondern als etwas, das Ahrens offenbar wiedergefunden hat.

  2. Ahrens soll bewusst mit dem Vertrag als Köder arbeiten. Damit wird verständlich, warum jemand nervös werden muss.

  3. Reuter bekommt einen ersten, noch völlig plausiblen Berührungspunkt mit diesem Köder. Noch kein Täterhinweis, nur die Frage: Wer wollte wissen, wo der Vertrag ist?

  4. Die Frage "Was hat jemand zu verlieren?" aus Station 3 wird jetzt in die Gegenwart des 17. Juni gezogen.

  5. Die Gruppe bekommt noch keine Auflösung, aber die logische Entwicklung wird stärker: Vertrag → Gefahr → Reaktion → Beobachtung.)


(Station 4 – Der Kurpark)

(Funktion: Der Fall wechselt von der Vergangenheit in den konkreten Ablauf des 17. Juni 1931. Die Gruppe beginnt, Ahrens' Weg zu rekonstruieren. Der Vertrag wird vom historischen Dokument zum aktuellen Druckmittel. Ein zunächst belanglos wirkendes Detail wird zum ersten echten Widerspruch.)


(Du kommst mit Petra und der Gruppe in den Kurpark. Du bleibst stehen und lässt den Blick über die Anlage wandern.)

"Hier müssen wir jetzt aufhören, nur über die Vergangenheit zu sprechen."

"Denn jetzt wird aus unserer Geschichte ein Fall."

(Kurze Pause.)

"Wir wissen, weshalb Ahrens nach Gernsbach kam."

"Wir wissen, dass er Hartmann getroffen hat."

"Und wir wissen, dass er danach weiterging."

(Du schaust zu Petra.)

"Bis hierhin einverstanden?"

(Petra nickt.)

"Gut."

"Dann versuchen wir jetzt, seinen Weg nachzugehen."


Ein anderer Kurpark

"Wir mĂĽssen uns allerdings daran erinnern, dass dieser Park im Jahr 1931 noch nicht genau so aussah wie heute."

"Das ist wichtig."

"Das frühere Gartenensemble der Villa Clemm war 1929 von der Stadt erworben worden. Ab 1930 wurde die Parkfläche bis zum bereits seit 1913 bestehenden Igelbachbad erweitert. Der Gedanke dahinter war ausdrücklich ein öffentlicher Park, der allen Menschen offenstehen sollte."

"Das bedeutet:

Als Ahrens hier unterwegs war, befand sich dieser Ort gerade selbst mitten in einer Veränderung."

(Pause.)

"Aus einem privaten Garten wurde ein öffentlicher Park."

"Aus einer alten Welt wurde langsam eine neue."

"Und genau zwischen diesen beiden Welten bewegt sich unser Fall."


Ahrens kommt hierher

"Ahrens hatte nach seinem Treffen mit Hartmann einen bestimmten Grund, hierherzukommen."

"Er wollte jemanden beobachten."

(Petra schaut dich an.)

["Ja."]

"Genau das war der Punkt, an dem wir selbst zunächst falsch lagen."

(Du wendest dich an die Gruppe.)

"Wir haben zuerst gedacht:

Ahrens sucht jemanden, der ihm helfen kann."

"Aber das stimmt nicht."

"Ahrens sucht jemanden, der auf ihn reagiert."


Ahrens legt eine Spur

"Wir erinnern uns an den Vertrag."

"An die Unterlagen von 1921."

"Ahrens hatte etwas wiedergefunden."

(Kurze Pause.)

"Den Vertrag."

"Genau das Dokument, das zehn Jahre zuvor verschwunden war."

"Und jetzt wird etwas wichtig, das wir bisher nur vermutet haben."

"Ahrens hatte den Vertrag nicht nur gefunden."

"Er wollte, dass jemand erfährt, dass er ihn gefunden hatte."

(Petra nickt.)

"Das war kein Zufall."

"Ahrens lieĂź diese Information ganz bewusst durchsickern."

"Er wollte wissen, wer nervös wird."

"Wer plötzlich wissen möchte, wo sich das Dokument befindet."

"Wer versucht, herauszufinden, was Ahrens tatsächlich besitzt."

(Pause.)

"Denn wer nur neugierig ist, fragt nach dem Inhalt."

"Wer Angst hat, fragt zuerst:

Wo ist der Vertrag?"

(Petra schaut dich an.)

["Und genau daran wollten wir erkennen, wer Angst hatte."]

"Genau."


Der scheinbar harmlose Satz

"Wir haben an der letzten Station einen Satz von Reuter kennengelernt."

(Du schaust Petra an.)

"Was hat er gesagt?"

(Petra antwortet nicht, sondern nickt nur in Richtung der Gruppe – als wolle sie sagen: Du sollst es selbst sagen.)

"Richtig."

"Reuter behauptet, Ahrens habe den Nachmittag allein verbracht."

(Pause.)

"Damals klingt das völlig harmlos."

"Ein Mann geht spazieren."

"Niemand begleitet ihn."

"Was soll daran verdächtig sein?"


(Erste kleine Rekonstruktion)

"Aber jetzt wissen wir mehr."

"Wir wissen, dass Ahrens hierherkam, weil er jemanden beobachten wollte."

"Wir wissen, dass er nicht einfach ziellos unterwegs war."

"Und wir wissen, dass Reuter behauptet, Ahrens sei allein gewesen."

(Du schaust zu Petra.)

"Und jetzt?"

(Petra zögert.)

["Jetzt mĂĽssen wir uns fragen, woher Reuter das wissen konnte."]

"Ja."

"Aber noch sind wir zu frĂĽh."

"Eine solche Aussage kann vieles bedeuten."

"Vielleicht hat jemand Reuter davon erzählt."

"Vielleicht hat er nur vermutet, dass Ahrens allein war."

"Oder vielleicht wusste er es."

(Kurze Pause.)

"Wir werden das später noch einmal überprüfen."


(Die erste Frage an die Gruppe)

"Stellen Sie sich vor, Sie wären damals Ermittler."

"Wir hätten noch keinen Verdacht."

"Wir hätten keinen Leichnam."

"Wir hätten nicht einmal sicher gewusst, ob überhaupt ein Verbrechen geschehen ist."

"Wir hätten nur einen Mann, der verschwunden ist."

(Pause.)

"Was wĂĽrden Sie als Erstes wissen wollen?"

(Lass die Gruppe kurz reagieren.)

Mögliche Antworten aufnehmen.

"Wer hat ihn zuletzt gesehen."

"Richtig."

"Wo war er."

"Auch richtig."

"Und vor allem:

Mit wem hat er gesprochen?"


Hartmann rĂĽckt wieder ins Bild

"Und genau deshalb kommen wir wieder zu Hartmann."

"Hartmann hat Ahrens getroffen."

"Das wissen wir."

"Hartmann hatte Angst vor Ahrens."

"Auch das wissen wir."

"Aber danach geht Ahrens weiter."

"Und jetzt mĂĽssen wir uns fragen:

Wer wusste, wohin?"

(Petra nickt.)

"Du bist doch auch meiner Meinung?"

(Petra nickt.)

"Dann halten wir das noch einmal fest."

"Hartmann hatte ein Motiv."

"Hartmann traf Ahrens."

"Aber Hartmann ging nicht mit ihm."

(Pause.)

"Also kann Hartmann vieles gewesen sein."

"Aber bisher ist er nicht der Mann, der Ahrens auf diesem Weg begleitet hat."


Der Vertrag wird zum Druckmittel

"Und noch etwas mĂĽssen wir festhalten."

"Hartmann wusste, dass es den Vertrag gab."

"Ahrens wusste, dass der Vertrag gefährlich sein konnte."

"Und Ahrens hatte ihn wiedergefunden."

"Damit hatte sich die Situation verändert."

(Pause.)

"Bis dahin war der Vertrag eine Sache aus der Vergangenheit."

"Jetzt war er wieder da."

"Und plötzlich konnte jemand etwas verlieren."

(Petra schaut dich an.)

["Mehr als nur seinen guten Ruf?"]

"Ja."

"Aber wer?

Das wissen wir noch nicht."

"Und genau deshalb dĂĽrfen wir auch bei Hartmann nicht stehen bleiben."


Der erste räumliche Hinweis

(Du blickst den weiteren Weg entlang.)

"Jetzt stellen Sie sich eine ganz einfache Frage."

"Wenn Ahrens jemanden beobachten wollte – warum geht er genau hier entlang?"

"Warum bleibt er nicht dort, wo viele Menschen unterwegs sind?"

"Warum bewegt er sich weiter in Richtung des ruhigeren Teils des Parks?"

(Pause.)
(Petra schaut dich an)

["Vielleicht wollte er nicht gesehen werden."

"Oder vielleicht wollte er, dass jemand anderes ihn sieht."]


(Petra bemerkt etwas)

(Petra blickt zurĂĽck in Richtung des Weges, den ihr gerade gekommen seid.)

Du bemerkst es.

"Was ist?"

(Petra deutet zurĂĽck.)

Du schaust ebenfalls.

"Du meinst, wir sollten uns vorstellen, jemand wäre uns gefolgt?"

(Petra nickt.)

["Ja."

"Genau."

"Und jetzt wird aus einem Spaziergang langsam eine Verfolgung."]


(Wir haben noch keinen Täter)

(Du wendest dich der Gruppe zu)

"Aber Vorsicht."

"Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, aus jedem Verdächtigen sofort einen Täter zu machen."

"Wir kennen Hartmann."

"Wir kennen Clara."

"Wir kennen Reuter."

"Und wir wissen, dass jeder von ihnen etwas zu verbergen hat."

(Pause.)

"Aber nur einer von ihnen muss gewusst haben, welchen Weg Ahrens nehmen wĂĽrde."


Das neue Puzzleteil

"Und genau deshalb mĂĽssen wir jetzt weiter."

"Denn Ahrens blieb nicht hier."

"Er ging weiter."

"Und an seinem nächsten Wegabschnitt verändert sich die Situation."

(Du schaust Petra an.)

"Wir sollten uns noch einmal ganz genau ansehen, was wir bisher wissen."

(Petra nickt.)

"Ahrens kommt nach Gernsbach."

"Er trifft Hartmann."

"Er kennt den Vertrag."

"Er hat ihn wiedergefunden."

"Er macht bewusst darauf aufmerksam."

"Er geht weiter."

"Jemand beobachtet ihn."

"Und irgendwann verliert sich seine Spur."

(Pause.)

"Noch wissen wir nicht, wer ihn beobachtet hat."

"Aber wir wissen bereits:

Jemand muss seinen Weg gekannt haben."


(Ăśbergang)

(Du lässt die Gruppe einen Moment schweigen und gehst dann langsam weiter.)

"Und jetzt folgen wir Ahrens ein StĂĽck weiter."

"Unsere nächste Station ist die Ebersteinbrücke."

"Dort verändert sich unser Blick auf den Fall."

"Denn auf einer BrĂĽcke kann man nicht nur einen Weg zurĂĽcklegen."

"Man kann auch sehen, wer von wo kommt."

(Du gehst mit Petra und der Gruppe weiter.)


(Dramaturgischer Kern dieser Station: Der Vertrag wird jetzt erstmals vom historischen Beweisstück zu einem aktuellen Druckmittel. Ahrens setzt bewusst die Information über sein Wiederfinden des Vertrages ein, um Reaktionen auszulösen. Hartmann bleibt der naheliegende Verdächtige, wird aber durch die fehlende Gelegenheit weiterhin relativiert. Reuters spätere Aussage über Ahrens' Alleinsein wird erstmals als überprüfbare Information behandelt. Die Gruppe erhält damit noch keine Lösung, aber die Beweiskette verdichtet sich: Vertrag → Gefahr → Reaktion → Beobachtung → unbekannter Begleiter.)


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