🕵️ Das letzte Echo der Murg - Akt 1

đź“– Zum Lesen der Geschichte

Die Geschichte ist als Krimirundgang angelegt.
"…" kennzeichnet den gesprochenen Text von Gerd Groß.
[…] kennzeichnet Petras gesprochene Worte.
(…) enthält Regie- und Handlungshinweise, die während der Aufführung nicht gesprochen werden.

Die Geschichte kann unabhängig vom Rundgang gelesen werden. Wer die Ermittlungen selbst nachvollziehen möchte, sollte auf die wiederkehrenden Hinweise, Aussagen und Indizien achten.


Auftakt – Der Brief

Ort: Tourist-Info Gernsbach
Zeit im Spiel: Juni 1931
Funktion: BegrĂĽĂźung, Rollenetablierung, Erzeugung des ersten Geheimnisses, EinfĂĽhrung des Vertrags als zentralem BeweisstĂĽck, EinfĂĽhrung der Kripo-Ermittlung, Ăśbergang zum Felsenweg



(Du begrüßt die Gruppe zunächst ganz normal.)

"Guten Morgen und herzlich willkommen in Gernsbach.

Heute möchte ich Ihnen die Stadt einmal auf eine etwas andere Weise zeigen.

Nicht nur ihre Geschichte.

Nicht nur ihre schönen Wege.

Und auch nicht nur den Kurpark.

Heute brauchen wir Sie als Ermittler."

Kurze Pause.

"Denn was wir Ihnen gleich erzählen werden, ist ein Fall, der sich so zugetragen haben könnte.

Die Personen sind erfunden.

Die Orte, durch die wir gehen, sind es nicht."

Du schaust zu Petra.

"Und bevor wir anfangen, möchte ich Ihnen meine Kollegin vorstellen. Das ist Petra."

Petra nickt freundlich.

"Wir beide beschäftigen uns heute mit einer Geschichte, die hier in Gernsbach beginnt."

Du lässt einen Moment verstreichen.

"Oder vielleicht sollte ich besser sagen:

Mit einer Geschichte, bei der wir zunächst gar nicht wissen, ob sie hier endet."


Der Fall

"Wir schreiben das Jahr 1931.

Gernsbach verändert sich.

Der alte private Garten der Villa Clemm ist inzwischen in die Hände der Stadt übergegangen. Aus einem abgeschlossenen Besitz entsteht ein öffentlicher Park.

Die Zeiten ändern sich.

Und manchmal kommen mit neuen Zeiten auch alte Geschichten wieder ans Licht."

Du schaust kurz zu Petra.

"Petra, wir haben doch noch einmal nachgesehen?"

Petra nickt.

["Ja. Wir sind uns einig."]

Du wendest dich wieder an die Gruppe.

"Gut.

Dann erzählen wir Ihnen jetzt, weshalb wir heute hier sind."


Friedrich Ahrens

"Vor wenigen Tagen kam ein Mann nach Gernsbach.

Sein Name war Dr. Friedrich Ahrens.

ZweiundfĂĽnfzig Jahre alt.

Jurist.

Gebildet.

Ein Mann, der seine Worte sehr genau wählte."

Pause.

"Ahrens war nicht zum ersten Mal in Gernsbach.

Und genau das ist wichtig."

"Er kannte die Stadt.

Er kannte Menschen hier.

Und er wusste etwas über eine Angelegenheit, die ungefähr zehn Jahre zurücklag."

Kurze Pause.

"Genauer gesagt: Er wusste von einem Vertrag."

Petra schaut dich an.

["Kein spektakuläres Dokument.

Kein Testament.

Kein Schatzpapier.

Ein Vertrag."]

Du fällst ihr fast ins Wort.

"Aber ein Vertrag, in dem festgehalten war, wem etwas gehörte, wer darüber verfügen durfte und unter welchen Bedingungen."

Pause.

"Und genau deshalb war dieses StĂĽck Papier so wichtig."


Der Vertrag

"Dieser Vertrag stammte aus einer Zeit, in der hier Dinge geregelt wurden, die später niemand mehr besonders gern erklärt hat."

"Ahrens kannte den Inhalt."

"Und er wusste, dass mit diesem Vertrag etwas nicht stimmte."

Petra schaut dich an.

Du bemerkst ihren Blick.

["Ja."

"Mehr wissen wir an dieser Stelle auch noch nicht."]

"Aber eines können wir bereits sagen:

Ahrens hatte es nicht nur mit einer alten Geschichte zu tun."

"Er hatte etwas, das diese Geschichte belegen konnte."


Das Verschwinden

"Und jetzt kommt der Punkt, an dem aus einer merkwĂĽrdigen Geschichte ein Fall fĂĽr die Kriminalpolizei wurde."

Kurze Pause.

"Ahrens verschwand."

"Er kam von seinem Weg nicht zurĂĽck.

Er erschien nicht zu dem Termin, den er später noch wahrnehmen wollte.

Und schlieĂźlich war nicht mehr die Frage:

Warum ist dieser Mann nach Gernsbach gekommen?"

"Sondern:

Wo ist Friedrich Ahrens?"

"Die Kriminalpolizei begann, seine letzten Tage und seine letzten Kontakte zu rekonstruieren."

"Wo war er?

Mit wem hatte er gesprochen?

Was hatte er vor?"

Petra schaut dich an.

["Und genau bei dieser Suche stieĂź die Kripo auf einen Brief."]


Der erste Brief

"Ahrens hatte kurz vor seiner Ankunft in Gernsbach einen Brief an einen Mann namens Emil Hartmann geschrieben."

"Der Brief war noch bei seinen Unterlagen gefunden worden."

Pause.

"Und darin stand nur ein Satz, den wir kennen:

Was damals verborgen wurde, kann heute nicht mehr verborgen bleiben."

Kurze Pause.

"Mehr nicht."

"Keine Erklärung.

Keine Drohung.

Nur dieser eine Satz."\

Wiederholung vom Satz
Was damals verborgen wurde, kann heute nicht mehr verborgen bleiben."

Du schaust in die Gruppe.

"FĂĽr die Kriminalpolizei war dieser Satz allerdings alles andere als belanglos."

"Denn hier war ein Mann verschwunden.

Und unmittelbar vor seinem Verschwinden hatte er einen bestimmten Menschen angeschrieben und auf etwas hingewiesen, das zehn Jahre zurĂĽcklag und offenbar verborgen worden war."

Pause.

"Damit wurde Emil Hartmann fĂĽr die Ermittler interessant."


Vom Brief zum Vertrag

"Und jetzt wird es fĂĽr unseren Fall wichtig."

"Die Kripo wollte wissen:

Was verband Ahrens mit Hartmann?"

"Warum schrieb er gerade ihm?"

"Und was bedeutete dieses 'damals'?"

"Bei der weiteren Durchsicht von Ahrens' Unterlagen stieĂź man auf den Hinweis auf einen Vertrag."

Pause.

"Kein spektakuläres Dokument.

Kein Testament.

Kein Schatzpapier.

Ein Vertrag."

"Aber ein Vertrag, in dem festgehalten war, wem etwas gehörte, wer darüber verfügen durfte und unter welchen Bedingungen."

Petra nickt.

["Und genau deshalb wurde dieses StĂĽck Papier fĂĽr die Ermittlungen wichtig."]


Die erste Frage

"Und jetzt stellen Sie sich selbst die erste Frage:

Warum kommt ein Mann nach Gernsbach, wenn er einen alten Vertrag kennt, von dem andere Menschen offensichtlich nicht möchten, dass darüber gesprochen wird?"

Pause.

"Was hat dieser Vertrag an Bedeutung?"

"Und vor allem:

Wer könnte etwas zu verlieren haben, wenn der Inhalt dieses Vertrages öffentlich wird?"

Noch keine Antworten einfordern.

"Das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht."

"Aber wir werden dieser Frage folgen."


(Hartmann)

"Denn Ahrens schrieb seinen Brief an Emil Hartmann."

"Und damit haben wir unseren ersten Namen."

"Hartmann kannte Ahrens."

"Hartmann wusste von der alten Angelegenheit."

"Und Ahrens wollte ihn treffen."

Du schaust zu Petra.

"Petra, du bist doch auch meiner Meinung?"

Petra nickt.

"Dann halten wir das zunächst fest."

"Ahrens kannte den Vertrag."

"Ahrens wusste, dass damit etwas nicht stimmte."

"Und Ahrens wollte Hartmann deswegen sprechen."

Pause.

"Das macht Hartmann interessant."

"Sehr interessant sogar."


Der erste Schritt in den Fall

"Aber wir mĂĽssen vorsichtig sein."

"Denn nur weil jemand etwas zu verlieren hat, bedeutet das noch lange nicht, dass er ein Verbrechen begeht."

Petra nickt.

["Das ist ein wichtiger Punkt."

"Wir wissen noch nicht, wer Angst hat."

"Wir wissen noch nicht, warum."

"Und wir wissen schon gar nicht, was später daraus entstehen wird."]

Kurze Pause.

"Aber wir wissen etwas anderes:

Ahrens wollte Hartmann treffen."


Der Weg

"Und nach diesem Treffen hat Ahrens einen bestimmten Weg genommen."

"Genau diesen Weg werden wir jetzt gemeinsam gehen."

"Vielleicht können wir dort herausfinden, warum er nicht einfach wieder abgereist ist."

(Du setzt dich mit Petra und der Gruppe in Bewegung.

Nach einigen Schritten wendest du dich noch einmal zur Gruppe.)

"Und eine Sache sollten Sie sich für später merken."

"Ahrens war nicht wegen eines gewöhnlichen Geschäftsgesprächs hier."

"Er kam wegen einer alten Angelegenheit."

"Und im Mittelpunkt dieser Angelegenheit steht ein Vertrag."

Pause.

"Wir kennen seinen Inhalt noch nicht vollständig."

"Aber wir werden ihn im Laufe unserer Ermittlungen immer besser verstehen."

"Unsere nächste Station ist der Felsenweg."

"Dort beginnen wir damit, den Weg von Friedrich Ahrens nachzuverfolgen."

"Und vielleicht finden wir dort die erste Antwort auf die Frage, warum ein alter Vertrag zehn Jahre später plötzlich wieder so gefährlich werden konnte."

(Du gehst mit Petra und der Gruppe weiter.)


(Regie-/Autorenhinweis

Der Vertrag wird von diesem Punkt an als zentraler roter Faden behandelt.

Die Gruppe soll zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen:

  • was genau am Vertrag falsch ist,

  • wer ihn verändert oder gefälscht hat,

  • welche Person dadurch einen Vorteil erhielt,

  • welche konkrete Rolle Reuter dabei spielte,

  • weshalb der Vertrag 1931 existenziell gefährlich wird.

Aber die Teilnehmer sollen bereits wissen:

Es gibt einen konkreten Vertrag.
Sein Inhalt ist bedeutsam.
Ahrens kennt ihn.
Mit dem Vertrag stimmt etwas nicht.
Ahrens glaubt, dass seine Bedeutung jetzt wieder ans Licht kommen kann.

Zusätzlich ist jetzt logisch verankert:

Ahrens verschwindet.
Die Kripo beginnt deshalb mit der Rekonstruktion seiner letzten Tage.
Bei seinen Unterlagen findet sie den Brief an Hartmann.
Der Brief macht Hartmann fĂĽr die Ermittler interessant.
Bei der weiteren Untersuchung stößt die Kripo auf den Vertrag.

Damit entsteht bereits die erste Beweiskette:

Verschwinden → Kripo-Ermittlung → Brief → Hartmann → Vertrag → alte Angelegenheit

Diese Kette soll später mehrfach aufgegriffen werden.

Der Satz

"Wer könnte etwas zu verlieren haben, wenn der Inhalt dieses Vertrages öffentlich wird?"

ist bewusst früh gesetzt. Die Frage wird zunächst offen bleiben und später zur zentralen Motivfrage des Falls.)


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