🕵️ Das letzte Echo der Murg - Akt 2
đź“– Zum Lesen der Geschichte
Die Geschichte ist als Krimirundgang angelegt.
"…" kennzeichnet den gesprochenen Text von Gerd Groß.
[…] kennzeichnet Petras gesprochene Worte.
(…) enthält Regie- und Handlungshinweise, die während der Aufführung nicht gesprochen werden.
Die Geschichte kann unabhängig vom Rundgang gelesen werden. Wer die Ermittlungen selbst nachvollziehen möchte, sollte auf die wiederkehrenden Hinweise, Aussagen und Indizien achten.
Station 2 – Der Felsenweg
Ort: Felsenweg, entlang der Murgtalbahn
Funktion: Erste Ermittlungen, zeitliche Ungereimtheit, erste Verbindung zwischen Vertrag, möglichem Motiv und Hartmann als Verdächtigem
(Du gehst mit Petra und der Gruppe ein StĂĽck den Felsenweg entlang. Nach einigen Schritten bleibst du stehen.)
"Gut.
Jetzt sind wir dort, wo wir anfangen können, wirklich zu ermitteln."
(Kurze Pause.)
"Wir wissen, dass Friedrich Ahrens nach Gernsbach gekommen ist, um Emil Hartmann zu treffen.
Und wir wissen noch etwas:
Ahrens ist nach diesem Treffen nicht einfach zum Bahnhof zurĂĽckgegangen."
(Du schaust zu Petra.)
"Das war doch auch unser erster Gedanke, oder?"
(Petra nickt.)
["Wenn ein Mann nach Gernsbach kommt, einen Termin erledigt und anschließend wieder abreisen will, dann wäre das eigentlich das Naheliegendste."]
"Aber Ahrens hat es nicht getan."
Der ungewöhnliche Weg
"Er hat einen anderen Weg genommen.
Hier entlang."
(Du lässt den Blick über den Weg schweifen.)
"Und genau da beginnt unser erstes kleines Problem."
"Warum?"
(Pause.)
"Weil dieser Weg nicht die kürzeste Verbindung zu seinem eigentlichen Ziel gewesen wäre."
(Petra schaut dich an.)
["Ja. Genau das meine ich."]
"Wenn Ahrens einfach nur weg wollte, hätte er diesen Weg nicht gebraucht."
"Also muss er einen Grund gehabt haben."
Was wusste Ahrens?
"Wir mĂĽssen deshalb noch einmal an seinen Brief denken."
(Du wiederholst bewusst den entscheidenden Satz:)
"Was damals verborgen wurde, kann heute nicht mehr verborgen bleiben."
"Er kommt also nicht einfach nach Gernsbach, trifft Hartmann und fährt wieder nach Hause."
"Nein."
"Er hat etwas vor."
(Petra nickt.)
["Und wir wissen inzwischen auch, dass er nicht nur ĂĽber seine eigene Vergangenheit sprechen wollte."]
"Er wollte herausfinden, wer noch Angst vor dieser Vergangenheit hat."
(Kurze Pause.)
"Aber warum?"
"Wenn Ahrens nur mit Hartmann reden wollte, hätte er ihm den Vertrag einfach vorlegen können."
"Das tut er offenbar nicht."
"Er beobachtet."
"Er wartet darauf, dass jemand reagiert."
(Du schaust zu Petra.)
["Er wollte also gar nicht zuerst wissen, was Hartmann sagt."]
"Nein."
["Er wollte sehen, wie Hartmann reagiert."]
"Genau."
"Und das bedeutet fĂĽr uns etwas Wichtiges:
Ahrens wollte herausfinden, wer den Vertrag fĂĽrchtet."
Der erste Verdacht
"Und jetzt kommt Hartmann ins Spiel."
"Denn Hartmann hatte einen Grund, nervös zu sein."
"Er kannte Ahrens."
"Er wusste, dass Ahrens etwas ĂĽber die Ereignisse von damals wusste."
"Und vor allem:
Hartmann wusste, dass Ahrens den Vertrag kannte."
Pause.
"Das allein macht Hartmann fĂĽr uns natĂĽrlich interessant."
Du blickst zu Petra.
"Du bist doch auch meiner Meinung?"
Petra nickt.
["Ja."]
"Dann halten wir fest:
Hartmann hatte einen Grund, nervös zu sein."
"Nicht nur wegen Ahrens."
"Wegen dessen, was Ahrens bei sich hatte."
"Wegen dieses Vertrages."
(Kurze Pause.)
"Denn wenn dieser Vertrag tatsächlich beweisen kann, dass damals etwas nicht mit rechten Dingen zuging, dann ist Ahrens plötzlich nicht mehr nur ein Mann mit einer alten Geschichte."
"Dann besitzt er etwas, das gefährlich werden kann."
Aber warum ist das gefährlich?
"Jetzt stellt sich für uns die nächste Frage."
"Warum kann ein zehn Jahre alter Vertrag einen Menschen heute noch so nervös machen?"
(Pause.)
"Was könnte in diesem Vertrag stehen, das heute noch Folgen hätte?"
(Petra schaut dich an.)
["Das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht."]
"Nein."
"Aber genau diese Frage mĂĽssen wir im Kopf behalten."
"Denn wenn ein altes Stück Papier zehn Jahre später noch gefährlich ist, dann muss darin etwas stehen, das heute Konsequenzen haben könnte."
Hartmann – Motiv oder nur Verdacht?
"Ahrens wollte Hartmann treffen."
"Die beiden haben miteinander gesprochen."
"Hartmann hatte einen Grund, nervös zu werden."
"Und wenn der Vertrag tatsächlich ein Beweisstück ist, dann hatte Hartmann möglicherweise auch etwas zu verlieren."
(Pause.)
"Das klingt ziemlich schlecht fĂĽr Hartmann."
(Du schaust Petra an.)
["Auf den ersten Blick schon."]
"Auf den ersten Blick."
"Aber wir mĂĽssen aufpassen."
Aber dann kommt der erste Zweifel
"Denn Ahrens ist nach dem Treffen weitergegangen."
"Und Hartmann ist nicht mit ihm gegangen."
(Petra nickt.)
["Das ist der Punkt."]
"Wir wissen also schon an diesem frĂĽhen Punkt:
Hartmann hatte einen Grund."
"Aber wir wissen noch nicht, ob er auch die Gelegenheit hatte."
(Du schaust in die Runde.)
"Und das ist ein wichtiger Unterschied."
"Ein Motiv allein macht noch keinen Täter."
Das erste StĂĽck Vergangenheit
"Jetzt stellt sich die Frage:
Warum wusste Ahrens ĂĽberhaupt etwas ĂĽber Gernsbach von damals?"
"Was geschah vor etwa zehn Jahren?"
"Warum schreibt ein Mann im Jahr 1931, dass etwas, das damals verborgen wurde, heute ans Licht kommen soll?"
(Du deutest auf den weiteren Weg.)
"Darauf bekommen wir unsere erste wirkliche Antwort dort, wo die alte Geschichte noch heute sichtbar wird."
(Petra schaut in Richtung des weiteren Weges.)
["Ja."]
"Genau dorthin mĂĽssen wir."
(Übergang zur nächsten Station)
"Wir haben jetzt also einige Dinge, die wir uns merken mĂĽssen."
"Ahrens wollte Hartmann treffen."
"Ahrens kannte den Vertrag."
"Hartmann hatte einen Grund, nervös zu sein."
"Und wir wissen:
Ahrens ist nach dem Treffen weitergegangen."
(Pause.)
"Mehr wissen wir noch nicht."
"Aber genau dieses 'Mehr wissen wir noch nicht' wird uns später noch einmal beschäftigen."
(Du setzt dich mit Petra und der Gruppe wieder in Bewegung.)
"Unsere nächste Station ist der Clemm'sche Garten."
"Dort beginnt die Geschichte, die hinter Ahrens' Reise steckt."
"Und vielleicht verstehen wir dann zum ersten Mal, was dieser Satz wirklich bedeutet:
Was damals verborgen wurde, kann heute nicht mehr verborgen bleiben."
(Ihr geht weiter.)
Regie-/Autorenhinweis
Diese Station legt bewusst nur die nächste Ebene der Beweiskette frei:
Vertrag → möglicher Beweis → mögliche Konsequenzen → Hartmann wird nervös → Hartmann bekommt ein mögliches Motiv → Gelegenheit bleibt offen.
Die Gruppe soll nicht zu diesem Zeitpunkt wissen, warum der Vertrag fĂĽr einen bestimmten Menschen existenzbedrohend ist.
Wichtig ist vielmehr, dass die Frage jetzt bereits im Raum steht:
"Was kann in diesem Vertrag stehen, das einen Menschen zehn Jahre später noch etwas kosten könnte?"
Diese Frage wird später wieder aufgenommen und schrittweise beantwortet.
Die Tatsache, dass Hartmann nach dem Treffen nicht mit Ahrens weitergeht, verhindert zugleich, dass die Gruppe vorschnell bei Hartmann als Täter landet.
👉 Kontakt
Haben Sie Fragen, Anregungen oder Interesse an einer Zusammenarbeit? Ich freue mich auf Ihre Nachricht.
Zum Kontaktformular✨ Literaturwelten & Hörfassungen
Tauche ein in die poetischen Klang- und Gedankenwelten von Gerd Groß — zwischen Literatur, Musik, Atmosphäre und philosophischer Reflexion.
