🕵️ Das letzte Echo der Murg - Akt 3
đź“– Zum Lesen der Geschichte
Die Geschichte ist als Krimirundgang angelegt.
"…" kennzeichnet den gesprochenen Text von Gerd Groß.
[…] kennzeichnet Petras gesprochene Worte.
(…) enthält Regie- und Handlungshinweise, die während der Aufführung nicht gesprochen werden.
Die Geschichte kann unabhängig vom Rundgang gelesen werden. Wer die Ermittlungen selbst nachvollziehen möchte, sollte auf die wiederkehrenden Hinweise, Aussagen und Indizien achten.
Station 3 – Der Clemm'sche Garten
Funktion: Die Vergangenheit des Falles öffnet sich. Die Gruppe erfährt erstmals, warum Ahrens überhaupt über die Ereignisse von 1921 Bescheid wissen konnte. Der Vertrag erhält seinen ersten konkreten Inhalt. Clara Voss und Paul Reuter werden erstmals indirekt eingeführt.
(Du kommst mit Petra und der Gruppe am Clemm'schen Garten an und lässt die Gruppe zunächst einen Augenblick stehen.)
"Hier mĂĽssen wir kurz innehalten."
(Du lässt den Blick über die Anlage schweifen.)
"Denn wenn wir verstehen wollen, warum Friedrich Ahrens nach Gernsbach gekommen ist, müssen wir ungefähr zehn Jahre zurückgehen."
"Damals sah dieser Ort anders aus."
"Hier befand sich das Gartenensemble der Villa Clemm. Hermann Adolph Raoul Clemm hatte die Villa 1901 errichten lassen. Der Garten war groĂźzĂĽgig angelegt, mit Terrassen, seltenen Pflanzen, einem Treibhaus und einem Rosen-Wandelgang."
(Kurze Pause.)
"Das hier war damals kein öffentlicher Park."
"Es war Privatbesitz."
"Und genau deshalb mĂĽssen wir uns diesen Ort fĂĽr einen Augenblick anders vorstellen."
Eine andere Welt
"Menschen kamen hierher, die nicht einfach spazieren gingen."
"Hier gab es gesellschaftliche Begegnungen."
"Geschäftliche Gespräche."
"Besuche."
"Und natĂĽrlich Dinge, ĂĽber die man nicht mit jedem gesprochen hat."
(Petra schaut dich an. Du blickst zurĂĽck)
["Ja, ich weiĂź."]
(Du wendest dich an die Gruppe.)
"Das klingt vielleicht ein wenig nach Kriminalroman."
(Kurze Pause.)
"Aber genau deshalb sind wir hier."
Das Jahr 1921
"Im Jahr 1921 starb Hermann Clemm."
"Und genau in dieser Zeit beginnt unsere Geschichte."
(Du machst eine kurze Pause, bevor du weitersprichst.)
"Denn nach seinem Tod mussten Vermögensfragen geklärt werden."
"Und bei diesen Unterlagen stieß ein Mann auf etwas, das später sehr wichtig werden sollte."
"Dieser Mann war Friedrich Ahrens."
Der erste Blick auf Ahrens' Vergangenheit
"Ahrens war damals noch jĂĽnger."
"Er war mit finanziellen und rechtlichen Angelegenheiten beschäftigt."
"Und dabei stieĂź er auf ein Dokument."
(Pause.)
"Kein spektakulärer Schatz."
"Kein Testament mit geheimen Millionen."
"Ein Vertrag."
"Ein unscheinbares StĂĽck Papier."
(Du schaust zu Petra.)
"Und genau da beginnt die Sache kompliziert zu werden."
Petra nickt.
["Denn dieses Dokument hätte eine Behauptung widerlegen können, die damals bereits als Wahrheit galt."]
Was stand in dem Dokument?
"Wir wissen, dass es um Geld ging."
"Aber nicht nur um Geld."
"Es ging darum, wem etwas tatsächlich zustand."
"Und es ging um eine Unterschrift."
(Pause.)
"Eine Unterschrift, die möglicherweise nicht von der Person stammte, unter deren Namen sie auf dem Papier stand."
(Die Information bewusst stehen lassen.)
"Und damit verändert sich die Bedeutung dieses Vertrages."
"Denn wenn diese Unterschrift tatsächlich gefälscht wurde, dann geht es nicht mehr nur darum, wem etwas zustand."
"Dann geht es auch um die Frage, wer von dieser Fälschung profitiert hat."
(Kurze Pause.)
"Und noch etwas macht den Vertrag gefährlich."
"Wenn er beweisen kann, dass damals etwas nicht mit rechten Dingen zuging, dann könnte er zehn Jahre später noch Folgen haben."
"FĂĽr manche Menschen vielleicht sehr unangenehme Folgen."
(Petra schaut dich an.)
["Dann muss es jemanden geben, der nicht möchte, dass dieser Vertrag wieder auftaucht."]
"Genau."
(Pause.)
"Und damit haben wir eine Frage, die uns noch eine Weile begleiten wird."
"Wer hat etwas zu verlieren, wenn dieser Vertrag ans Licht kommt?"
"Damals wurde das Dokument nicht öffentlich."
"Es verschwand."
Der Kreis der Mitwisser
"Und jetzt wird es fĂĽr unseren Fall interessant."
"Denn wenn etwas verschwinden soll, mĂĽssen Menschen wissen, dass es ĂĽberhaupt existiert."
"Mindestens vier Menschen wussten davon."
(Du zählst nicht sichtbar ab, sondern lässt die Information entstehen.)
"Ahrens."
"Emil Hartmann."
"Ein Mann namens Paul Reuter."
"Und eine Frau, Clara Voss."
(Pause.)
"Diese vier Menschen verbindet etwas, das zehn Jahre später wieder an die Oberfläche kommt."
(Petra bestätigt und blickt dich an)
"Petra, wir sind uns doch einig, dass Ahrens nicht zufällig nach Gernsbach zurückgekommen ist."
(Petra nickt.)
["Er wusste, was damals geschehen war."]
(Petra nickt.)
["Und er wusste, dass andere davon wussten."]
(Petra nickt.)
"Dann halten wir das fest."
(Du wendest dich an die Gruppe.)
"Ahrens kommt 1931 nicht hierher, um alte Erinnerungen aufzufrischen."
"Er kommt, weil er glaubt, dass die Zeit gekommen ist, die Wahrheit auszusprechen."
Aber warum gerade jetzt?
"Und jetzt stellen wir uns eine wichtige Frage."
"Warum wartet Ahrens zehn Jahre?"
(Pause.)
"Warum kommt er ausgerechnet jetzt zurĂĽck?"
"Warum schreibt er Hartmann, dass etwas, das damals verborgen wurde, nicht länger verborgen bleiben kann?"
(Du blickst zu Petra.)
(Petra hebt leicht die Schultern oder schĂĽttelt den Kopf.)
"Richtig."
"Das wissen wir noch nicht."
"Aber wir wissen, dass Hartmann Angst hatte."
"Und wir wissen inzwischen auch, dass der Vertrag fĂĽr ihn nicht einfach irgendein altes Papier sein kann."
"Denn wenn dieser Vertrag tatsächlich beweisen kann, was damals geschehen ist, dann wird aus einer alten Geschichte plötzlich eine aktuelle Gefahr."
Hartmann bekommt ein Gesicht
"Emil Hartmann war damals mit den Vorgängen verbunden."
"Heute ist er ein angesehener Mann."
"Geschäftlich erfolgreich."
"Unauffällig."
"Und nach auĂźen hat niemand einen Grund, an ihm zu zweifeln."
(Pause.)
"Nur Ahrens zweifelt."
"Und deshalb treffen sich die beiden."
Die erste wichtige Entlastung
"Jetzt könnten wir bereits sagen:
Hartmann ist unser Täter."
(Du schaust Petra an.)
["Motiv?"]
(Petra nickt.)
["Gelegenheit?"]
(Petra zögert – und schüttelt den Kopf.)
(Du:)
"Genau."
"Das ist unser Problem."
"Hartmann hatte einen Grund, Ahrens loszuwerden."
"Aber bisher wissen wir nur, dass er Ahrens getroffen hat."
"Und wir wissen, dass Ahrens danach weitergegangen ist."
"Also mĂĽssen wir noch herausfinden, wer ihm gefolgt ist."
Ein Name aus der Vergangenheit
"Und damit kommen wir zu einem Mann, ĂĽber den wir bisher nur gesprochen haben."
"Paul Reuter."
"Reuter war damals in die Vorgänge rund um die Unterlagen eingebunden."
"Er war kein Mann von groĂźer Bedeutung."
"Aber er war einer derjenigen, die wussten, was geschehen war."
"Er war kein Mann, der über das Vermögen entschied."
"Aber er hatte Zugang zu den Unterlagen."
(Pause.)
"Und Menschen, die ein Geheimnis kennen, können manchmal gefährlicher sein als Menschen, die es verursacht haben."
Eine Information für die späteren Ermittlungen
"Merken Sie sich deshalb diesen Namen."
(Du lässt bewusst eine Pause.)
"Paul Reuter."
"Und noch etwas."
"Reuter behauptet später, Ahrens habe den Nachmittag allein verbracht."
(Pause.)
"Das klingt zunächst völlig harmlos."
"Aber wir sollten uns diesen Satz merken."
(Du schaust Petra an.)
["Den schreiben wir uns gedanklich irgendwo hin."]
["Denn manchmal ist in einem Kriminalfall nicht das verdächtig, was jemand sagt."]
(Du:)
"Sondern das, was er eigentlich gar nicht wissen dĂĽrfte."
(Ăśbergang)
(Du gehst ein paar Schritte und blickst noch einmal zurĂĽck.)
"Jetzt wissen wir etwas ĂĽber das Geheimnis."
"Wir wissen, warum Ahrens nach Gernsbach kam."
"Wir kennen Hartmann."
"Wir kennen Clara."
"Und wir kennen Reuter."
"Wir wissen jetzt auch:
Der Vertrag könnte beweisen, dass damals etwas nicht mit rechten Dingen zuging."
"Wir wissen aber noch immer nicht, wer davon tatsächlich profitierte."
(Pause.)
"Und wir wissen noch immer nicht, was am Tag seines Verschwindens wirklich passiert ist."
"Und dafĂĽr mĂĽssen wir den Weg von Ahrens weiterverfolgen."
Du blickst in Richtung des Kurparks.
"Unsere nächste Station ist der Kurpark."
"Dort kommen wir dem letzten Weg von Friedrich Ahrens näher."
"Und dort werden wir zum ersten Mal versuchen, seinen Nachmittag Schritt fĂĽr Schritt zu rekonstruieren."
(Du und Petra setzt euch mit der Gruppe wieder in Bewegung.)
(Dramaturgischer Kern dieser Station: Hier bekommt die Gruppe erstmals Hintergrundwissen über den Vertrag und dessen mögliche Bedeutung. Der Vertrag ist nicht länger nur ein geheimnisvolles Dokument, sondern könnte eine Fälschung belegen und damit konkrete Folgen haben. Gleichzeitig wird Paul Reuters Zugang zu den Unterlagen etabliert, ohne ihn vorzeitig zum Täter zu machen. Der Satz über Reuters Behauptung, Ahrens habe den Nachmittag allein verbracht, bleibt als späterer logischer Bruch erhalten.)
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