🏛️ Der Zimmermann aus Weimar – Eine Zeitreise durch Gengenbach 6
Menschen begegnen der Stadtgeschichte
Sechster Akt – Was bleibt?
Eddie führt Hans weiter.
Sie erreichen den Schwedenturm.
Hans bleibt stehen.
Die alten Steine sind verwittert. An manchen Stellen bröckelt der Mörtel.
Hans fährt mit der Hand über die Mauer.
"Die hat auch schon bessere Zeiten gesehen."
Eddie nickt.
"Wie fast alles hier."
Hans schaut ihn an.
"Ihr habt kein Geld für die Reparaturen."
"Nicht genug."
"Und die Menschen brauchen Wohnungen."
Hans blickt über die Dächer.
"Draußen entstehen neue Häuser."
"Billiger. Schneller. Mehr Platz."
"Und hier?"
Eddie zeigt auf die alten Häuser.
"Hier kostet jeder Stein."
Hans schaut auf das Mauerwerk.
"Und jeder Balken."
"Manche sind noch gut."
"Manche nicht."
Eddie nickt.
"Die Geschichte hat sich tief ins Holz und in die Steine geschrieben."
Hans betrachtet einen alten Balken.
"Man sieht es."
"Man riecht es manchmal auch."
Hans lächelt kurz.
Dann wird er ernst.
"Aber die Menschen können nicht von Geschichte leben."
Eddie schaut ihn an.
"Nein."
"Sie brauchen Wohnungen."
"Ja."
"Warme Wohnungen."
"Ja."
"Licht. Luft. Wasser. Räume, in denen eine Familie leben kann."
Eddie nickt.
"Das brauchen sie."
Hans zeigt auf die engen Häuser.
"Und nicht jeder dieser alten Räume kann das bieten."
Eddie schweigt.
"Man kann nicht jede Wand retten, nur weil sie alt ist."
"Nein."
"Und nicht jeden Balken, nur weil jemand vor hundert Jahren darauf geschaut hat."
Eddie sieht ihn an.
"Auch das stimmt."
Hans wartet einen Moment.
"Warum baut man nicht einfach neu?"
Eddie schaut ihn an.
"Wo?"
"Hier."
Eddie blickt durch die enge Straße.
"Dann müsste vieles weg."
"Vielleicht wäre das einfacher."
Eddie deutet auf die Mauer.
"Und die?"
"Auch."
"Der Schwedenturm?"
Hans schweigt.
"Das Obertor?"
Hans sieht zu ihm.
"Vielleicht."
Eddie nickt langsam.
"Dann hätten wir Platz."
"Breite Straßen."
"Neue Häuser."
"Gute Wohnungen."
"Und endlich Licht."
Hans deutet auf die engen Fassaden.
"Keine feuchten Wände. Keine zugigen Fenster. Keine dunklen Zimmer."
Eddie sieht ihn an.
"Das ist dein Argument."
"Ja."
"Und es ist kein schlechtes."
Hans schaut ihn überrascht an.
"Du widersprichst mir nicht?"
"Ich bin Maurer. Ich weiß, wie es in manchen Häusern aussieht."
Hans nickt.
"Dann weißt du auch, was ein Neubau leisten kann."
"Ja."
"Und draußen vor der Stadt?"
Eddie deutet hinaus.
"Da können wir neu bauen."
Hans schüttelt den Kopf.
"Dann müssen die Menschen aus ihrer Stadt heraus."
"Vielleicht."
"Und ihre Wege werden länger."
"Vielleicht."
Hans blickt auf die alten Häuser.
"Oder wir bauen hier neu."
Eddie schweigt.
"Dann hätten wir irgendwann zwei Gengenbach."
Hans runzelt die Stirn.
"Wie meinst du das?"
Eddie zeigt auf die alten Häuser.
"Hier wäre die neue Stadt."
Dann deutet er nach draußen.
"Und dort wäre die Stadt, die einmal hier stand."
Hans schweigt.
"Aber die Menschen hätten bessere Wohnungen."
"Ja."
"Und weniger Reparaturen."
"Ja."
"Mehr Licht."
"Ja."
Eddie schaut wieder zur Mauer.
"Aber keine alten Gassen."
Hans antwortet nicht.
Eddie geht weiter.
Unten fließt der Haigerbach.
"Weißt du, warum diese Mauer gebaut wurde?"
Hans schüttelt den Kopf.
"Weil eine Stadt früher nicht einfach ihre Türen offen lassen konnte."
"Vor wem?"
"Vor Feinden."
Eddie deutet auf den Turm.
"Reformation und Gegenreformation haben die Menschen nicht nur im Glauben getrennt."
"Auch politisch."
"Und militärisch."
Hans nickt.
"Dann kam der Dreißigjährige Krieg."
"Und plötzlich war jeder Ort wichtig, der auf einem Weg lag."
"Auch Gengenbach."
"Gerade solche Städte."
Hans sieht auf die Mauer.
"Dann haben diese Steine mehr gesehen als wir."
Eddie lächelt.
"Das ist nicht schwer."
Hans schaut ihn an.
"Was meinst du?"
"Wir haben den Krieg noch erlebt."
Eine kurze Stille.
Hans blickt über die Dächer.
"Und jetzt sollen wir entscheiden, was aus dieser Stadt wird."
Eddie nickt.
"Das ist das Problem."
Hans schaut auf die alten Häuser.
"Man kann sie reparieren."
"Wenn man das Geld hat."
"Und wenn nicht?"
Eddie sieht ihn an.
"Dann wird irgendwann jemand sagen: Weg damit."
Hans blickt noch einmal zum Schwedenturm.
"Und vielleicht wäre das sogar vernünftig."
Eddie antwortet nicht.
Sie gehen langsam weiter.
Hans schaut zurück.
"Was würdest du tun?"
Eddie bleibt stehen.
"Ich weiß es nicht."
Hans wartet.
"Ich weiß nur eines."
"Was?"
Eddie deutet auf die Stadt.
"Wenn wir alles abreißen, müssen wir irgendwann unseren Kindern erklären, warum wir es getan haben."
Hans sieht ihn lange an.
"Und wenn wir nichts tun?"
Eddie schaut auf die bröckelnde Mauer.
"Dann müssen wir ihnen erklären, warum wir es verfallen ließen."
Beide schweigen.
Vor ihnen steht das Obertor.
Hans blickt hinauf.
"Dann haben wir ein Problem."
Eddie nickt.
"Ein großes."
🏛️ Der Zimmermann aus Weimar – Eine Zeitreise durch Gengenbach
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🎭 Die zehn Akte
1. Akt – Am Fluss beginnt die Geschichte
Hans kommt nach Gengenbach und begegnet Eddie – und dem Flößer.
2. Akt – Hinter dem Tor
Krieg, Zerstörung und die Menschen, die trotzdem weiterbauen.
3. Akt – Leben hinter den Mauern
Enge Gassen, Handwerk, Stadtmauer und das Leben der Bürger.
4. Akt – Was wäre, wenn?
Hans stellt die entscheidende Frage: Sanieren oder neu bauen?
5. Akt – Frei, aber nicht gleich
Reichsstadt, Bürgerrechte und die Unterschiede zwischen den Menschen.
6. Akt – Was bleibt?
Die alte Stadt steht vor einer schwierigen Entscheidung.
7. Akt – Eine Stadt, die schon einmal neu entstanden ist
Zerstörung und Wiederaufbau zeigen: Geschichte kann weitergebaut werden.
8. Akt – Eine Stadt, die schon einmal neu entstanden ist
Gengenbach blickt auf seine Zerstörungen zurück – und auf die Kraft des Neubeginns.
9. Akt – Die Kirche wechselt den Herrn
Napoleon, Säkularisierung und der Wandel einer alten Ordnung.
10. Akt – Was wäre aus Gengenbach geworden?
Die Entscheidung über das, was bleiben soll – und was die Zukunft daraus macht.
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