🥾 Expedition Guayaquil - Chimborazo 12: Entrada Reserva Chimborazo – Refugio Carrel

✨ Im Reich des eisigen Riesen – Hinauf zum Refugio Carrel

Meine Expedition führt mich auf der zwölften Etappe vom Eingang des Naturreservats weiter hinauf zum legendären Refugio Carrel. Der Weg bringt mich tief in die hochalpine Kernzone des Chimborazo – in eine Welt, in der die Höhe und die gewaltige Präsenz des Berges immer stärker bestimmend werden.

Auf einer kurzen, aber besonderen Strecke von 7,2 Kilometern führt mich der Weg kontinuierlich nach oben. Dabei liegen 491 Höhenmeter im Aufstieg vor mir, während es keinen Abstieg gibt. Schritt für Schritt überschreite ich die Marke von 4.800 Metern und erreiche am höchsten Punkt der Etappe, dem Refugio Carrel, 4.856 Meter.

Die von Outdooractive ausgewiesene Gehzeit von 2:30 Stunden gibt den zeitlichen Rahmen vor. Trotz der relativ kurzen Distanz verlangt das Gehen in dieser Höhe einen gleichmäßigen Rhythmus und Aufmerksamkeit für die Reaktion des eigenen Körpers.

Mit dem Refugio Carrel erreiche ich den vorläufigen physischen Höhepunkt meiner Expedition.

Denn hier oben gelten andere Maßstäbe.

Der Berg bestimmt den Rhythmus – und jeder Schritt führt mich näher an den entscheidenden Tag.


📋 Tourensteckbrief

🌍 Region: Ecuador – Kanton Guaranda / Chimborazo-Massiv

🚩 Start: Entrada Reserva de Producción de Fauna Chimborazo

🏁 Ziel: Refugio Carrel

📏 Länge: 7,2 km

⏱️ Dauer: 2:30 Std.

⛰️ Höhenmeter: 491 m Aufstieg / 0 m Abstieg

🏔️ Höchster Punkt: 4.856 m

📍 Tiefster Punkt: 4.364 m

🥾 Schwierigkeit: T2 – mittel (durch extreme Höhenlage, steile Schotter- und Vulkanhänge)

🗺️ Etappen: 12 (von 13)

🚆 Erreichbarkeit: Streckenexpedition von A nach B, hochalpine Gipfel-Tour


🥾 Eigenschaften der Wanderung

🚩 Von A nach B: Eine kurze, aber stetige Streckenwanderung vom Eingang des Chimborazo-Reservats hinauf zum Refugio Carell.

🏔️ Etappentour: Die zwölfte Etappe meiner großen Expedition von Guayaquil zum Chimborazo.

⛰️ Höhenwanderung: Auf nur 7,2 Kilometern führt mich der Weg 491 Höhenmeter hinauf bis auf 4.856 Meter.

🍽️ Einkehrmöglichkeit: Am Ziel befindet sich das Refugio Carell als wichtige Versorgungs- und Ausgangsstation für den weiteren Aufstieg.

🏛️ Kulturell / historisch: Der Chimborazo besitzt für die indigenen Kulturen der Region eine besondere spirituelle Bedeutung und ist zugleich ein wichtiger Bestandteil der Geschichte des Bergsteigens in Ecuador.

🌄 Aussichtsreich: Mit zunehmender Höhe öffnen sich gewaltige Blicke über die Anden und die unter dem Berg liegende Wolkenlandschaft.

🌿 Flora & Fauna: Die Vegetation wird mit zunehmender Höhe immer spärlicher. Die hochgelegenen Lebensräume rund um den Chimborazo sind unter anderem Lebensraum der Vicuñas.

🪨 Geologische Highlights: Vulkanische Landschaften, Geröllfelder und die von Eis und Erosion geprägte Umgebung des Chimborazo bestimmen den Charakter des Aufstiegs.

🧭 Besonderheit: Der Weg führt mich bis auf 4.856 Meter – unmittelbar vor den entscheidenden Abschnitt meiner Expedition.


🏞️ Charakter der Wanderung

Wer hier an einen klassischen hochalpinen Zustieg denkt, den muss ich zunächst enttäuschen.

Ich starte früh am Morgen gegen 8:00 Uhr, nicht weil die Strecke besonders lang ist, sondern weil ich der zunehmenden Kälte möglichst zuvor kommen möchte. Eigentlich erwarte ich einen ruhigen Aufstieg in eine hochalpine Bergwelt.

Doch schon am Ausgangspunkt bietet sich mir ein völlig anderes Bild.

Der Parkplatz füllt sich zusehends. Geländewagen bringen Bergsteiger heran, viele mit schweren Rucksäcken, vollgepackt mit alpiner Ausrüstung. Daneben treffen Busse ein und bringen Touristen, die denselben Weg nach oben nehmen wollen.

Und dann traue ich meinen Augen kaum.

Während die Bergsteiger ihre schwere Ausrüstung schultern, steigen andere Besucher in leichten Turnschuhen aus den Bussen. Manche tragen sogar Flipflops, andere lediglich leichte Sommerschuhe.

Und alle wollen hinauf.

Auf fast 4.800 Meter.

Für mich ist dieser Gegensatz kaum vorstellbar. Ich weiß, was Höhe mit dem Körper machen kann und welche Bedingungen dort oben herrschen können. Deshalb habe ich mich lange und intensiv vorbereitet und meine Ausrüstung sorgfältig geplant.

Der Chimborazo macht keinen Unterschied zwischen Bergsteiger und Tourist. Die Höhe bleibt dieselbe.

Und genau das macht diesen Morgen für mich so bemerkenswert.

🌙 Eine kurze Nacht liegt vor mir

Gleichzeitig weiß ich bereits beim Aufstieg, dass die kommende Nacht nur sehr kurz sein wird. Um 22:00 Uhr endet sie praktisch schon wieder.

Dann beginnt die Vorbereitung auf den nächtlichen Aufbruch zum Gipfel. Was für mich heute wie ein kurzer Zustieg wirkt, ist deshalb nur der letzte Schritt vor einer völlig anderen Herausforderung.

Ich steige zum Refugio Carell hinauf – nicht um dort lange zu bleiben, sondern um mich auf die Nacht vorzubereiten, die den entscheidenden Aufstieg einleitet.


🌿 Die Etappe auf einen Blick

Die zwölfte Etappe führt mich auf rund 7,2 Kilometern von der Einfahrt des Chimborazo-Reservats hinauf zum Refugio Carell auf 4.856 Metern. Die Strecke ist kurz, doch die Höhe verändert die Spielregeln.

Ich starte bewusst langsam. Mein Zelt und die schwere Ausrüstung kann ich im Refugio lassen. Für den Aufstieg nehme ich nur eine kleine Umhängetasche mit dem Nötigsten und zwei Liter Wasser mit. Immer wieder höre ich die Aufforderung: Trinken, trinken, trinken.

Mein eigener Körper scheint davon allerdings wenig zu wissen. Durst bekomme ich erst, wenn mein Körper tatsächlich Wasser verlangt. Also trinke ich nicht nach einer starren Vorgabe, sondern nach meinem persönlichen Empfinden.

Während ich langsam höher steige, wird mir bewusst, welche Dimension diese Höhe eigentlich hat. 4.856 Meter – das sind rund 50 Meter mehr als die Gipfelhöhe des Mont Blanc, des höchsten Berges der Alpen.

Am Anfang ziehen viele Menschen an mir vorbei. Für mich ist das ungewohnt. Ich komme aus dem Motorsport und bin es gewohnt, Gas zu geben und andere hinter mir zu lassen. Sie einfach vorbeiziehen zu lassen, fällt mir deshalb nicht leicht.

Aber diesmal geht es nicht ums Rennen.

Ich will nicht als Erster im Refugio ankommen. Ich will auf dem Gipfel stehen.

Also halte ich mich zurück, gehe meinen eigenen Rhythmus und spare meine Kräfte für das, was wirklich vor mir liegt.


🗺️ Karte und Tourenverlauf

Die interaktive Karte zeigt den Verlauf meiner zwölften Etappe von der Entrada Reserva de Producción de Fauna Chimborazo zum Refugio Carell über rund 7,2 Kilometer.

Der Weg führt stetig bergauf:

🏔️ Entrada Reserva de Producción de Fauna Chimborazo – Ausgangspunkt der Etappe

🌋 Hochlandlandschaft des Chimborazo – der Weg führt durch die offene, baumlose Landschaft des Vulkangebietes

🥾 Kontinuierlicher Anstieg – auf 7,2 Kilometern überwinde ich 491 Höhenmeter

🏡 Refugio Carell – Ziel der Etappe auf 4.856 Metern

Die Karte dient der Orientierung und zeigt den direkten Verlauf zum Refugio Carell. Trotz der vergleichsweise kurzen Strecke führt mich die Etappe in eine Höhe, die bereits über der Gipfelhöhe des Mont Blanc liegt.

Für mich war dieser Aufstieg körperlich überraschend gut zu bewältigen. Die eigentliche Herausforderung lag weniger im Gelände als in der Höhe – und in der Frage, wie mein Körper auf die kommenden Stunden und die bevorstehende kurze Nacht reagieren würde.


🥾 Einordnung des Weges

🌟 Etappe 12: Entrada Reserva – Refugio Carrel (Chimborazo)

Die zwölfte Etappe führt mich auf 7,2 Kilometern von der Entrada Reserva de Producción de Fauna Chimborazo hinauf zum Refugio Carrel. Dabei überwinde ich 491 Höhenmeter und erreiche auf 4.856 Metern den höchsten Punkt dieser Etappe.

Die Strecke selbst ist für mich körperlich überraschend gut zu bewältigen. Die eigentliche Besonderheit liegt weniger in der Länge oder den Höhenmetern als in der Höhe und in dem, was am Refugio auf mich wartet. Hier beginnt die Vorbereitung auf den entscheidenden Abschnitt meiner Expedition.

Mit dem Refugio Carrel erreiche ich einen Ort, an dem sich meine bisherige Wanderung und der bevorstehende Aufstieg zum Chimborazo unmittelbar berühren. Die Etappe ist kurz – doch ihre Bedeutung für meine Expedition ist groß.

Von hier an geht es nicht mehr nur um das Ankommen. Es geht darum, bereit zu sein für das, was vor mir liegt.

➡️ Link zur Gesamtetappe auf Outdooractive

🧗‍♂️ Expedition Guayaquil bis Chimborazo – Vom Pazifik zum fernsten Punkt der Erde

Eine faszinierende Expedition von der Pazifikküste durch das Tiefland bis hinauf zu den eisigen Höhen des Chimborazo in 13 anspruchsvollen Etappen.

➡️ Link zur Gesamtetappe

🧗‍♂️ Der Weg in Etappen

Die Expedition lässt sich in 13 Etappen unterteilen:

🧗‍♂️ Etappe 1: Guayaquil – Milagro
Der Startpunkt führt von der pulsierenden Küstenmetropole Guayaquil hinaus in das fruchtbare Tiefland Richtung Milagro.
➡️ Link zur Etappe 1
🧗‍♂️ Etappe 2: Milagro – Simón Bolívar
Weiter durch die landwirtschaftlich geprägte Region vorbei an Plantagen bis nach Simón Bolívar.
➡️ Link zur Etappe 2
🧗‍♂️ Etappe 3: Simón Bolívar – Pueblo Nuevo
Der Weg führt stetig voran durch das abwechslungsreiche Gelände bis nach Pueblo Nuevo.
➡️ Link zur Etappe 3
🧗‍♂️ Etappe 4: Pueblo Nuevo – Juan Montalvo
Weiterer Routenverlauf durch das ländliche Ecuador bis in die Ortschaft Juan Montalvo.
➡️ Link zur Etappe 4
🧗‍♂️ Etappe 5: Juan Montalvo – Caluma (über Rio)
Der Weg führt von Juan Montalvo über den Fluss nach Caluma und bietet erste landschaftliche Übergänge.
➡️ Link zur Etappe 5
🧗‍♂️ Etappe 6: Caluma – Cumbillí Grande (über Recinto El Hemisferio)
Über das Recinto El Hemisferio geht es hinauf in Richtung Cumbillí Grande mit neuen Höhenprofilen.
➡️ Link zur Etappe 6
🧗‍♂️ Etappe 7: Cumbillí Grande – Las Tres Cruces (über Los Tambos)
Vorbei an Los Tambos führt dieser Abschnitt anspruchsvoll weiter nach Las Tres Cruces.
➡️ Link zur Etappe 7
🧗‍♂️ Etappe 8: Las Tres Cruces – Tillirungo
Eine wegweisende Etappe durch hochandine Regionen weiter bis nach Tillirungo.
➡️ Link zur Etappe 8
🧗‍♂️ Etappe 9: La Magdalena – Comunidad Illapa – Guaranda
Durch die Comunidad Illapa führt der Weg hinein in die geschichtsträchtige Stadt Guaranda.
➡️ Link zur Etappe 9
🧗‍♂️ Etappe 10: Guaranda – Pachakutik (über Negroyacu & Chalata Bajo)
Verlassen von Guaranda über Negroyacu und Chalata Bajo bis nach Pachakutik.
➡️ Link zur Etappe 10
🧗‍♂️ Etappe 11: Pachakutik – Entrada Reserva Chimborazo (über Ruta Aventura Chimborazo)
Auf der Ruta Aventura Chimborazo nähert sich die Expedition dem Eingangsbereich des Naturreservats.
➡️ Link zur Etappe 11
🧗‍♂️ Etappe 12: Entrada Reserva Chimborazo – Refugio Carrel
Der alpine Aufstieg innerhalb des Reservats hinauf zum hochgelegenen Stützpunkt, dem Refugio Carrel.
➡️ Link zur Etappe 12
🧗‍♂️ Etappe 13: Der Gipfelversuch ab Refugio Carrel (Normalroute)
Die finalste und anspruchsvollste Etappe: Der Gipfelversuch über die Normalroute zum fernsten Punkt der Erde.
➡️ Link zur Etappe 13

🥾 Die Wanderung

Das Erleben der zwölften Etappe zum Refugio Carrel

Ab etwa dem ersten Drittel der Strecke verändert sich das Bild auf dem Weg. Immer mehr Menschen stehen mitten auf dem Anstieg. Viele tragen sommerliche Kleidung und wirken angesichts der Höhe völlig unvorbereitet. Sie bleiben stehen, japsen nach Luft und versuchen, wieder zu ihrem Rhythmus zu finden.

Dazwischen sehe ich Menschen mit schwerer Ausrüstung auf dem Rücken. Große Rucksäcke, warme Kleidung und alpine Ausrüstung lassen erkennen, dass sie sich auf die Bedingungen weiter oben vorbereitet haben.

Ich frage mich unwillkürlich:

Sind das bereits die ersten Opfer auf dem Weg nach oben?

Für mich selbst fühlt sich dieser Aufstieg völlig anders an. Fast zu leicht.

Ich gehe weiter, ohne Pause und ohne etwas zu trinken. Mein Körper macht mit, die Beine fühlen sich gut an und auch die Höhe scheint mir in diesem Moment kaum etwas auszumachen. Während andere immer wieder stehen bleiben müssen, steige ich weiter.

Nach rund zweieinhalb Stunden erreiche ich das Refugio Carrel auf 4.856 Metern.

Ohne Pause. Ohne etwas zu trinken.

Und ich fühle mich ausgesprochen gut.

"Du bist Gerd?"

Am Refugio kommt ein Mann direkt auf mich zu. Offenbar hat mein Guide mein WhatsApp-Profilbild erkannt.

"Du bist Gerd?"

Ich bestätige.

Dann folgt sein überraschtes:

"In Deutsch – wow!"

Nach den vielen Tagen in einer fremden Sprache ist dieser Moment für mich beinahe unwirklich.

Wir beginnen zu sprechen. Und schon nach den ersten Sätzen erfahre ich, dass er überhaupt nicht damit gerechnet hatte, mich bereits jetzt hier oben zu sehen. Er hatte mich erst ein oder zwei Tage später erwartet.

Dabei war ich genau an dem vereinbarten Tag angekommen.

Für ihn war das keine Selbstverständlichkeit. Er sprach von einer außergewöhnlichen Leistung und von einem ungewöhnlichen Weg, den ich bis hierher genommen hatte. Die meisten Bergsteiger, so erklärte er mir, kämen aus Riobamba und würden mit dem Auto bis in die Nähe gebracht.

Jemanden wie mich, der sich auf diesem langen und abgelegenen Weg bis zum Chimborazo vorgearbeitet hatte, habe er so noch nicht erlebt.

Das Gespräch verändert damit auch meinen Blick auf die vergangenen Etappen. Der Weg hierher war nicht nur eine lange Wanderung zum Berg. Er war selbst bereits Teil der Expedition.

Der Berg wird jetzt konkret

Wir sprechen über den bevorstehenden Aufstieg, über das Wetter, die zu erwartenden Eisfelder und über die Tücken der Höhenkrankheit.

Mein Guide macht dabei sehr deutlich, dass ich mich nicht von meinem guten Gefühl täuschen lassen darf. Gerade weil ich mich an diesem Tag so stark fühle, müsse ich aufpassen, nicht zu schnell zu beginnen.

Spätestens um 17:00 Uhr sollten wir zu Bett gehen.

Um 23:00 Uhr müssen wir bereits auf der Piste sein.

Er fragt mich mehrmals, ob ich die Tour wirklich verinnerlicht habe. Nicht nur den Weg, sondern auch das, was auf diesem Weg passieren kann.

Seine wichtigste Regel bringt er auf einen einfachen Satz:

"Nach dem Schritt folgt ein weiterer Schritt."

Wir konzentrieren uns auf den Weg. Wir reden nur, wenn es wichtig ist.

Er erzählt mir von den Wolkenfeldern, die den Chimborazo fast immer einhüllen können. Ich muss dabei lächeln. Auch ich habe den Berg bisher kaum ohne seinen beinahe heiligen Schein gesehen.

Doch jetzt geht es nicht mehr um die Schönheit des Berges.

Jetzt geht es darum, ihn sicher zu begehen.

Die Ausrüstung wird zum Prüfstein

Gemeinsam gehen wir die Ausrüstung noch einmal durch. Wir sprechen über den Umgang mit Steigeisen und Eispickel, über die Bedeutung des angeseilten Gehens und darüber, was es bedeutet, sich in diesem Gelände aufeinander verlassen zu müssen.

Für mich ist manches davon zunächst etwas nervig.

Auch ich bin Guide. Auch ich bin ausgebildet und habe Erfahrung im alpinen Gelände.

Aber ich verstehe sehr schnell, worum es ihm geht.

Er muss sich ein Bild von mir machen.

Er weiß nicht, wer ich wirklich bin. Er kennt mich nur aus unseren Nachrichten und von meinem WhatsApp-Bild. Er muss wissen, wie ich reagiere, wie ich mich unter Druck verhalte und ob ich seine Anweisungen annehme.

An einigen Stellen setzt er mich bewusst unter Druck. Er beobachtet meine Reaktion, stellt Fragen, fordert mich heraus.

Ich verstehe.

Er prüft nicht nur mein Wissen.

Er prüft mich.

Und genau genommen ist das nichts Ungewöhnliches. Bei meinen eigenen Gruppen mache ich vor anspruchsvolleren Touren etwas Ähnliches. Auch ich muss wissen, auf wen ich mich verlassen kann, wenn es ernst wird.

In diesem Moment akzeptiere ich seine Rolle.

Hier bin nicht ich der Guide.

Hier bin ich derjenige, der geführt wird.

Und draußen vor dem Refugio wartet bereits der Berg auf uns.


🏰 Historische und Kulturelle Orte entlang des Weges

Stationen auf dem Weg zum Refugio Carrel

Die zwölfte Etappe führt mich endgültig in die hochalpine Welt des Chimborazo. Historische Bauwerke gibt es entlang des kurzen Weges kaum. Zwei Orte markieren jedoch den Übergang von der touristisch erschlossenen Bergwelt in den unmittelbaren Bereich des großen Vulkans.

🌋 Entrada Reserva de Producción de Fauna Chimborazo

Die Entrada Reserva markiert den Ausgangspunkt meiner zwölften Etappe und zugleich den Übergang in die geschützte Hochgebirgslandschaft des Chimborazo. Von hier führt mein Weg weiter hinauf in eine zunehmend karge und offene Vulkanlandschaft.

🏔️ Refugio Carrel

Das Refugio Carrel liegt auf rund 4.800 Metern und ist einer der wichtigsten Ausgangspunkte für den Aufstieg zum Chimborazo. Für mich ist es jedoch mehr als nur eine Schutzhütte.

Hier endet meine zwölfte Etappe – und hier beginnt die unmittelbare Vorbereitung auf den entscheidenden Aufstieg.

Der Berg, der mich seit Tagen begleitet, liegt nun nicht mehr in der Ferne. Ich bin an seinem Fuß angekommen.


📜 Sagen, Legenden und Geschichten

Die Berge als heilige Orte – das Ritual der Capacocha

Wer heute durch die Museen Ecuadors geht, begegnet immer wieder einer Vergangenheit, die schwer zu begreifen ist. In den Sammlungen sind mumifizierte Kinder und Jugendliche zu sehen, die vor Jahrhunderten auf hoch gelegenen Bergen bestattet wurden.

Diese Funde stehen mit einem Inka-Ritual in Verbindung, das als Capacocha bezeichnet wird. Dabei wurden ausgewählte Kinder und Jugendliche zu weit entfernten heiligen Orten gebracht. Archäologische Funde zeigen, dass solche Zeremonien an zahlreichen Bergen und Gipfeln des Andenraums stattfanden – auch auf dem Gebiet des heutigen Ecuador.

Die Kinder wurden auf langen Prozessionen zu diesen heiligen Orten geführt und dort als Opfergaben dargebracht. Zu den Beigaben gehörten kostbare Textilien, Figuren aus Metall oder Spondylus sowie weitere rituelle Gegenstände. Die erhaltenen Körper konnten durch die extreme Kälte der Hochgebirge teilweise außergewöhnlich gut konserviert werden.

Auch Coca spielte bei solchen Zeremonien eine Rolle. Untersuchungen an den berühmten Mumien vom Llullaillaco zeigen beispielsweise einen regelmäßigen Coca-Konsum vor dem Tod. Forscher gehen davon aus, dass Coca und andere Substanzen unter anderem im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf den Aufstieg und möglicherweise auch mit einer Sedierung standen.

🏔️ Nicht am Chimborazo – aber in seiner Bergwelt

Wichtig ist mir dabei eine klare Unterscheidung:

Für den Chimborazo selbst ist mir kein archäologischer Nachweis eines solchen Capacocha-Opfers bekannt. Deshalb möchte ich diese Geschichte nicht dem Berg zuschreiben.

Doch die umliegende Andenwelt war von dieser religiösen Vorstellung geprägt. Die Inka errichteten auf zahlreichen heiligen Bergen Zeremonialplätze und brachten dort Opfergaben dar. Archäologisch sind solche Gipfelzeremonien bis in extreme Höhen nachgewiesen.

Wenn ich heute selbst auf fast 5.000 Metern zum Refugio Carrel aufsteige, bekommt dieses Wissen für mich eine besondere Bedeutung.

Ich gehe durch eine Landschaft, in der Menschen vor Jahrhunderten Berge nicht nur als Naturgewalten betrachtet haben. Für sie waren diese Gipfel heilige Orte – Orte, an denen die Welt der Menschen und die Welt des Übernatürlichen miteinander verbunden waren.

Heute gehe ich hier als Wanderer und Bergsteiger.

Damals kamen Menschen hierher aus einem völlig anderen Grund.

Der Berg war nicht nur Ziel. Er war Heiligtum.

📜 Geschichten, die weiterleben: 

Diese Sagen sind nur ein kleiner Ausschnitt des reichen Erzählgutes rund um den Vulkan. Auch auf der Literarischen Galerie haben wir Sagen, Legenden und Hörspiele aus den Landschaften gesammelt, die uns auf unserer Expedition begleiten.

➡️ Sagen, Legenden und Geschichten – Die Literarische Galerie


🌿 Natur und Landschaft

Wo das Grün langsam verschwindet

Bis zu dieser Etappe hat mich die Landschaft des Chimborazo immer wieder überrascht. Selbst in Höhen von über 4.000 Metern war sie noch erstaunlich grün. Grasflächen, weite Hänge und die offene Landschaft der Hochanden begleiteten mich auf meinem Weg nach oben.

Erst jetzt verändert sich das Bild deutlich.

Plötzlich beginnt die Welt der Steine.

Das Grün verschwindet und macht einem nahezu einheitlichen Grau Platz. Der Untergrund wird steiniger, die Vegetation immer spärlicher. Die Landschaft wirkt karger und unmittelbarer. Es ist, als würde der Berg langsam alles abstreifen, was noch an die vertraute Welt unterhalb der Hochlagen erinnert.

🪨 Die Welt der Steine

Für mich ist dieser Übergang besonders eindrucksvoll. Nicht weil der Weg technisch schwierig wäre, sondern weil sich das Landschaftsbild innerhalb relativ kurzer Zeit so deutlich verändert.

Wo vorher noch Pflanzen das Bild bestimmten, liegen nun Steine und Geröll. Die Farben werden zurückhaltender. Das Grau des Vulkangesteins dominiert.

Und trotzdem ist die Landschaft keineswegs eintönig.

Über mir ziehen Wolkenfelder vorbei. Immer wieder öffnen sich kleine Blicke nach oben – und dort schimmert bereits Weiß durch das Grau.

Schnee und Eis lassen grüßen.

Der Chimborazo zeigt mir damit schon vor dem eigentlichen Gipfelbereich, dass eine andere Welt beginnt.

☁️ Zwischen Wolken, Stein und Eis

Je höher ich komme, desto stärker wird der Eindruck, dass sich die Landschaft auf das Wesentliche reduziert. Stein, Wolken, Schnee und Eis bestimmen zunehmend das Bild.

Der Übergang geschieht nicht plötzlich. Er vollzieht sich Schritt für Schritt.

Das Grün bleibt zurück.

Das Grau kommt.

Und irgendwo darüber beginnt das Weiß.

Ich bin dem ewigen Eis jetzt näher als je zuvor auf meiner Expedition.


📸 Die schönsten Momente der zwölften Etappe

Wenn der Berg plötzlich ganz leicht wird

Ich hatte erwartet, dass die Höhe den Aufstieg zum Refugio Carrel deutlich schwieriger machen würde. Doch es kam anders. Ich fühlte mich ausgesprochen gut und ging meinen Weg ohne Pause und ohne etwas zu trinken.

Während andere Wanderer immer wieder stehen blieben und nach Luft schnappten, stieg ich weiter. Dieser Gegensatz zwischen meinem eigenen Empfinden und dem, was ich um mich herum beobachtete, gehörte für mich zu den eindrucksvollsten Erfahrungen dieser Etappe.

🪨 Wo das Grün dem Grau weicht

Ein weiterer besonderer Moment war der Wandel der Landschaft. Erst auf dieser Etappe begann für mich wirklich die Welt der Steine. Das Grün verschwand zunehmend und wurde von Grau abgelöst.

Und über diesem Grau zeichnete sich immer wieder das Weiß von Schnee und Eis ab.

Ich konnte sehen, dass der eigentliche hochalpine Bereich näher kam.

🏔️ 4.856 Meter – und plötzlich steht mein Guide vor mir

Der vielleicht schönste Moment dieser Etappe war jedoch meine Ankunft am Refugio Carrel.

Ich hatte den Aufstieg hinter mir und fühlte mich erstaunlich frisch. Dann kam mein Guide direkt auf mich zu. Er hatte mich offenbar anhand meines WhatsApp-Bildes erkannt.

"Du bist Gerd?"

Und kurz darauf:

"In Deutsch – wow!"

Nach all den Tagen in Ecuador war dieser unerwartete Moment der Begegnung etwas Besonderes. Aus einem bisher nur über Nachrichten bekannten Guide wurde plötzlich ein Mensch, mit dem ich nun gemeinsam vor der entscheidenden Nacht stand.

🌙 Der Augenblick vor dem großen Aufstieg

Mit der Ankunft am Refugio endete für mich nicht einfach eine Etappe. Hier begann die Vorbereitung auf das, was vor mir lag.

Wir gingen die Ausrüstung durch, sprachen über Wetter, Eisfelder, Steigeisen, Eispickel und das angeseilte Gehen.

Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie die kommende Nacht verlaufen würde.

Aber eines wusste ich:

Jetzt war ich dem Chimborazo so nah wie noch nie.


🍽️ Einkehrmöglichkeiten, Rastplätze und Übernachtung

Logistik und Versorgung auf Etappe 12

Eine Expedition in diese extremen Höhenregionen erfordert absolute Selbstversorgung, exzellente Notfallausrüstung, warme Isolationskleidung für eisige Winde und eine penible Wassereinteilung. Im Bereich des Refugios gibt es einfache touristische Infrastrukturen.

Alle Details zu Rast, Einkehr und Unterkunft sind direkt bei der Outdooractive-Etappe hinterlegt:

➡️ Link zur Tour 12 auf Outdooractive


💡 Wissenswertes zur Etappe 12

Hintergrundwissen und Anforderungen auf dem Weg zum Refugio Carrel

Die zwölfte Etappe ist mit 7,2 Kilometern und 491 Höhenmetern vergleichsweise kurz. Trotzdem führt sie in einen Höhenbereich, in dem der menschliche Körper besonderen Bedingungen ausgesetzt ist. Das Refugio Carrel liegt auf rund 4.800 Metern, der höchste Punkt meiner Etappe bei 4.856 Metern.

⛰️ Höhe verändert die Bedingungen

Mit zunehmender Höhe nimmt der Luftdruck ab und damit auch die Menge an Sauerstoff, die dem Körper zur Verfügung steht. Wie stark sich das bemerkbar macht, ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Menschen reagieren bereits deutlich unter 4.000 Metern, andere können größere Höhen zunächst erstaunlich gut verkraften.

Dass ich mich auf dieser Etappe sehr gut fühlte, bedeutete deshalb nicht, dass die Höhe für mich ungefährlich war. Gerade in dieser Höhe kann sich die körperliche Verfassung verändern und darf nicht allein nach dem eigenen Gefühl beurteilt werden.

💧 Trinken und Kräfte einteilen

Auf dem Weg zum Refugio wurde mir immer wieder eingeschärft, ausreichend zu trinken. Ich selbst hatte allerdings kaum Durst und erreichte das Refugio ohne Pause und ohne unterwegs etwas zu trinken.

Das zeigt auch, wie individuell die Wahrnehmung in großer Höhe sein kann. Für mich war es deshalb wichtig, meinen eigenen Körper aufmerksam zu beobachten und gleichzeitig die Hinweise meines Guides ernst zu nehmen.

🥾 Die Vorbereitung auf den Gipfelaufstieg

Mit dem Erreichen des Refugio Carrel beginnt eine andere Phase meiner Expedition. Steigeisen, Eispickel, Seilsicherung und die richtige Bewegung im Eis müssen beherrscht werden.

Mein Guide ging die Ausrüstung deshalb noch einmal Punkt für Punkt mit mir durch. Für mich als ausgebildeten Guide war manches davon selbstverständlich. Trotzdem war diese Kontrolle wichtig: Er musste wissen, wie ich mich im Gelände verhalte und ob wir uns aufeinander verlassen können.

🌙 Die kurze Nacht

Besonders wichtig ist die zeitliche Planung. Lange schlafen kann ich hier oben nicht. Bereits am Abend geht es zur Ruhe, denn um 23:00 Uhr soll der Aufstieg beginnen.

Damit wird deutlich, dass die zwölfte Etappe nicht isoliert betrachtet werden kann. Der kurze Weg zum Refugio ist zugleich die Vorbereitung auf die wesentlich anspruchsvollere Nacht und den folgenden Aufstieg.

Ab hier zählt nicht mehr nur, wie weit ich gehen kann. Entscheidend wird sein, wie ich mit Höhe, Kälte, Dunkelheit, Wetter und den eigenen Kräften umgehe.


⚠️ Hinweise zur Tour

🏔️ Sicherheit in großer Höhe

Die Etappe führt bis auf 4.856 Meter. In dieser Höhe kann der Körper sehr unterschiedlich reagieren. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, ungewöhnliche Erschöpfung oder Koordinationsprobleme können Anzeichen einer Höhenkrankheit sein und müssen ernst genommen werden.

Bei entsprechenden Beschwerden gilt: nicht weiter aufsteigen, den Guide informieren und gegebenenfalls umkehren oder absteigen.

🌬️ Wetter und Kälte

Auch bei Sonnenschein können Wind und Temperaturen in dieser Höhe sehr niedrig sein. Das Wetter am Chimborazo kann sich schnell verändern. Warme und winddichte Kleidung sowie Schutz vor Sonne und Kälte gehören deshalb zur notwendigen Vorbereitung.

🥾 Weg und Gelände

Der Anstieg zum Refugio Carrel ist technisch für mich nicht besonders schwierig. Der Untergrund wird mit zunehmender Höhe steiniger und die Vegetation verschwindet zunehmend.

Feste, geeignete Bergschuhe und ein sicherer Tritt sind dennoch selbstverständlich.

🎒 Ausrüstung und Vorbereitung

Die schwere Ausrüstung konnte ich im Refugio zurücklassen. Für den Aufstieg nahm ich nur das mit, was ich unmittelbar benötigte.

Vor dem weiteren Aufstieg überprüfte mein Guide gemeinsam mit mir die Ausrüstung und erklärte beziehungsweise kontrollierte den Umgang mit Steigeisen, Eispickel und Seilsicherung.

🌙 Die bevorstehende Nacht

Die eigentliche Herausforderung beginnt nach dieser Etappe. Die Ruhezeit im Refugio ist kurz, der Aufbruch ist bereits für 23:00 Uhr vorgesehen.

Deshalb ist es wichtig, die Kräfte zu sparen, ausreichend zu ruhen und den Anweisungen des Guides zu folgen.

In dieser Höhe entscheidet nicht der Ehrgeiz über den nächsten Schritt, sondern die Fähigkeit, die eigenen Grenzen rechtzeitig zu erkennen.


🎒 Ausrüstung

Die passende Ausrüstung für das Hochgebirge

Hochalpine Bergschuhe, wind- und wasserdichte Hardshell-Jacken, dicke Daunen- oder Primaloft-Isolationsschichten, Mütze, winddichte Handschuhe, starker UV-Schutz (LSF 50+) für die intensive Höhensonne, Gletscherbrille, Trekkingstöcke und ein vollständiges Erste-Hilfe-Set.

Alle Details zur Ausrüstung für Etappe 12 sind direkt hier hinterlegt:

➡️ Link zur Tour 12 auf Outdooractive


🔗 Verbindung

Anbindung und Etappenübergang

Das Refugio Carrel ist über hochalpine Verbindungspfade und Pisten mit dem Reservat verbunden.

Konkrete Routenverknüpfungen zur vorherigen und nächsten Etappe finden sich direkt in den Tourendaten:

➡️ Link zur Tour 12 auf Outdooractive


⭐ Mein Eindruck

Persönliche Gedanken zur zwölften Etappe

Die zwölfte Etappe hat mich überrascht.

Ich hatte erwartet, dass der Aufstieg zum Refugio Carrel auf 4.856 Metern meinem Körper deutlich mehr abverlangen würde. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Ich fühlte mich stark, ging meinen eigenen Rhythmus und erreichte das Refugio ohne Pause und ohne unterwegs etwas zu trinken.

Während ich unterwegs Menschen sah, die immer wieder stehen bleiben mussten und nach Luft schnappten, stieg ich weiter. Auch Menschen mit schwerer alpiner Ausrüstung begegneten mir. Für einen Augenblick hatte ich das Gefühl, dass dieser Chimborazo mich nicht bezwingen würde.

Vielleicht brauchte ich genau diesen Gedanken.

Denn nun stand ich tatsächlich auf 4.856 Metern – rund 50 Meter höher als der Mont Blanc – und damit an einem Punkt, den ich mir zu Beginn meiner Expedition kaum hätte vorstellen können.

Doch der eigentliche Höhepunkt lag noch vor mir.

🏔️ Eine Begegnung, die mir Respekt abverlangte

Am Refugio traf ich endlich meinen Guide. Er hatte mich erst ein oder zwei Tage später erwartet und zeigte sich beeindruckt von dem Weg, den ich bis hierher zurückgelegt hatte.

Wir sprachen über den bevorstehenden Aufstieg, über Wetter, Eisfelder und die Höhenkrankheit. Er machte mir sehr deutlich, dass ich mein gutes Gefühl nicht mit Unverwundbarkeit verwechseln durfte.

Seine Worte sind mir geblieben:

"Nach dem Schritt folgt ein weiterer Schritt."

Kein Rennen. Keine unnötigen Gespräche. Konzentration auf den Weg.

Auch die Ausrüstung gingen wir gemeinsam noch einmal durch. Steigeisen, Eispickel, Seilsicherung – alles wurde kontrolliert. Manches davon war für mich als ausgebildeter Guide selbstverständlich. Trotzdem verstand ich, warum er es tat.

Er musste wissen, wer da mit ihm auf den Berg gehen wollte.

Und er musste wissen, wie ich unter Druck reagiere.

Ich kannte diese Vorgehensweise selbst. Vor anspruchsvollen Touren prüfe auch ich die Menschen, für die ich Verantwortung übernehme. Deshalb akzeptierte ich seine Fragen und seine kleinen Prüfungen.

Hier oben war ich nicht der Guide. Hier wurde ich geführt.

🌙 Vor dem entscheidenden Abschnitt

Am Abend sollte bereits um 17:00 Uhr Ruhe sein. Um 23:00 Uhr wollten wir aufbrechen.

Damit bekam diese kurze zwölfte Etappe ihre eigentliche Bedeutung.

Sie war nicht das Finale meiner Expedition.

Sie war der letzte Schritt, bevor es ernst wurde.

Ich hatte den Pazifik hinter mir gelassen. Ich war durch das Tiefland gegangen, hatte die ersten Andenhöhen überschritten, hatte Einsamkeit erlebt und war immer weiter hinaufgestiegen.

Nun stand ich auf 4.856 Metern.

Vor mir lagen Eis, Dunkelheit, Höhe und ein Berg, dessen Gipfel ich noch nicht erreicht hatte.

Und trotzdem war da dieser Gedanke:

Auch dieser Chimborazo wird mich nicht bezwingen.

Vielleicht war das Übermut.

Vielleicht war es Selbstvertrauen.

Vielleicht brauchte ich genau diese innere Haltung, um überhaupt bereit zu sein für das, was in dieser Nacht vor mir lag.

Eines wusste ich sicher:

Jetzt gab es keinen Weg mehr zurück in die Vorbereitung. Jetzt begann die Prüfung.


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Ein Weg ist mehr als eine Strecke.
Er verbindet Landschaften, Menschen und Geschichten.


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