🕵️ Das Stourdza-Geheimnis
🔍 5. Akt - Ermittlungen laufen auf höchster Ebene
© Gerd Groß 07.10.2026
🏰 Schloss Solms
Wir erreichen Schloss Solms.
Petra nimmt ihr Smartphone heraus.
Petra:
"Ich schaue noch einmal nach der Geschichte des Schlosses."
Gerd:
"Das ist wahrscheinlich sinnvoll. Wir wissen bisher eigentlich nur, dass Schloss Solms lange nach Michaels Tod entstanden ist."
Petra scrollt durch ihre Notizen.
Petra:
"Der Bau beginnt 1873. Errichtet wurde das Schloss für Fürst Georg von Solms-Braunfels."
Gerd:
"Also der erste Besitzer."
Petra:
"Ja. Er starb 1891."
Sie scrollt weiter.
Petra:
"Nach seinem Tod blieb das Schloss zunächst bei seiner Witwe."
Gerd:
"Und danach?"
Petra:
"1897 wurde Schloss Solms an Freiherrn Karl von Venningen-Ullner von Diepurg verkauft."
Gerd:
"Dann haben wir schon einmal eine klare zeitliche Abfolge."
Petra:
"Georg von Solms-Braunfels bis 1891. Danach seine Witwe. Und ab 1897 Karl von Venningen-Ullner."
Gerd:
"Genau. Und jetzt müssen wir schauen, was danach geschah."
Petra scrollt weiter.
Petra:
"Karl von Venningen-Ullner starb 1914."
Gerd:
"Dann ging das Schloss an seine Witwe."
Petra:
"Ja."
Gerd:
"Und wann endet diese Besitzfolge?"
Petra:
"1919. In diesem Jahr wurde das Schloss an Gustav Röder verkauft."
Ich sehe Petra an.
Gerd:
"Damit haben wir einen wichtigen Punkt."
Petra:
"Welchen?"
Gerd:
"Wenn wir nach einer Person suchen, die mit dem Buch in Verbindung gekommen sein könnte, müssen wir jetzt genau auf die Zeit achten."
Petra:
"Also keine Person einfach in die Geschichte hineinsetzen."
Gerd:
"Genau."
Petra scrollt weiter.
Petra:
"Moment."
Sie hält inne.
Petra:
"Hier taucht tatsächlich ein Name auf."
Gerd:
"Welcher?"
Petra:
"Helene Marchand."
Ich sehe sie an.
Gerd:
"Helene?"
Petra:
"Ja. Sie wird als Mamsell im Haushalt von Schloss Solms erwähnt."
Gerd:
"Dann müssen wir zuerst klären, wann sie dort gearbeitet hat."
Petra:
"Nach 1916."
Gerd:
"Dann passt sie zumindest zeitlich in unsere spätere Spur."
Petra:
"Aber damit wissen wir noch lange nicht, was sie mit dem Buch zu tun hatte."
Gerd:
"Richtig."
Petra:
"Wir wissen nicht, ob sie das Buch überhaupt in der Hand hatte."
Gerd:
"Und schon gar nicht, ob sie den Brief geschrieben hat."
Petra:
"Oder ob sie ihn von jemand anderem bekommen hat."
Gerd:
"Genau."
Petra schaut noch einmal auf ihre Notizen.
Petra:
"Aber wenn sie das Buch gelesen hat, könnte sie den Brief an der Stelle gefunden haben, an der wir ihn später vorfinden."
Gerd:
"Das wäre eine Möglichkeit."
Petra:
"Mehr nicht."
Gerd:
"Mehr nicht."
Petra steckt das Smartphone kurz ein.
Petra:
"Dann haben wir jetzt mehrere Stationen."
Gerd:
"Welche?"
Petra:
"Das Buch selbst. Schloss Solms. Helene. Und später Dr. Friedrich von Ehlert."
Gerd:
"Aber noch keine lückenlose Verbindung zwischen diesen Stationen."
Petra:
"Nein."
Gerd:
"Dann dürfen wir auch keine daraus machen."
Petra:
"Wir müssen also weiter nach den tatsächlichen Übergängen suchen."
Gerd:
"Genau."
Wir bleiben noch einen Moment vor dem Schloss stehen.
Dann gehen wir weiter.
🏛️ Das Kurhaus
Wir erreichen das Kurhaus.
Petra schaut noch einmal auf ihre Notizen.
Petra:
"Bei Dr. Friedrich von Ehlert haben wir wenigstens einen sicheren Punkt."
Gerd:
"Ja."
Petra:
"Karin hat das Buch aus seinem Nachlass erhalten."
Gerd:
"Richtig."
Petra:
"Und in diesem Buch lag der unvollständige Brief."
Gerd:
"Genau."
Petra:
"Damit kennen wir das Ende der bisher belegbaren Besitzspur."
Gerd:
"Zumindest den letzten sicheren Punkt."
Petra:
"Aber zwischen Helene und Dr. Friedrich von Ehlert fehlt uns noch etwas."
Gerd:
"Eine ganze Strecke."
Petra:
"Wir wissen also nicht, wie das Buch von Schloss Solms beziehungsweise aus Helens Umfeld später in seinen Nachlass gelangte."
Gerd:
"Nein."
Petra:
"Und wir dürfen diese Lücke nicht einfach mit einer Geschichte füllen."
Gerd:
"Genau."
Petra schweigt kurz.
Petra:
"Dann bleibt auch bei Helene eine entscheidende Frage offen."
Gerd:
"Welche?"
Petra:
"Was genau hatte sie mit dem Buch zu tun?"
Gerd:
"Das müssen wir klären."
Petra:
"Und falls sie den Brief tatsächlich gelesen hat: Hat sie ihn selbst geschrieben, oder lag er bereits im Buch?"
Gerd:
"Auch das wissen wir noch nicht."
Petra:
"Dann dürfen wir Helene im Moment nur als mögliche Verbindung zwischen dem Buch und seiner späteren Überlieferung betrachten."
Gerd:
"Genau."
Petra steckt ihr Smartphone ein.
Petra:
"Das macht den Brief fast noch interessanter."
Gerd:
"Oder gefährlicher."
Petra:
"Weil wir so leicht eine Geschichte daraus machen könnten."
Gerd:
"Genau."
Petra:
"Und vielleicht ist das sogar schon einmal passiert."
Ich sehe Petra an.
Gerd:
"Was meinst du?"
Petra:
"Vielleicht hat jemand vor uns versucht, die Lücken zwischen Michael, dem Brief und seiner späteren Überlieferung zu schließen."
Einen Moment sagen wir nichts.
Gerd:
"Dann sollten wir wenigstens nicht denselben Fehler machen."
Petra:
"Keine Behauptung ohne Grundlage."
Gerd:
"Genau."
Wir gehen weiter in Richtung Kolonnaden.
Der Brief hat inzwischen einen Weg bekommen.
Aber noch immer wissen wir nicht, ob dieser Weg zu einer Wahrheit führt – oder zu einer Geschichte, die irgendwann jemand erzählen wollte.
🏛️ Die Kolonnaden
Wir stehen wieder bei den Kolonnaden. Hinter uns liegt die Suche nach Michaels Familie, seinen Mitschülern, seinem Umfeld und den späteren Überlieferungen.
Petra:
"Eigentlich haben wir inzwischen zwei Geschichten verfolgt."
Gerd:
"Ja. Die erste ist die Geschichte von Michael Stourdza und seinem Tod im Jahr 1863. Die zweite ist die Geschichte dieses Briefes."
Petra:
"Und wir dürfen die beiden nicht einfach miteinander verbinden."
Gerd:
"Genau. Denn der Brief beweist zunächst einmal gar nichts."
Wir wissen, dass Karin Wendt das Buch aus dem Nachlass von Dr. Friedrich von Ehlert erhalten hat. Der unfertige Brief lag darin – an genau der Stelle, an der in dem Buch über Michaels Tod und die spätere Überlieferung dazu berichtet wird.
Das ist auffällig.
Aber auffällig bedeutet noch nicht beweiskräftig.
Eine mögliche Erklärung führt uns zu Helene Marchand. Sie könnte das Buch gelesen haben. Vielleicht wurde sie beim Lesen gestört und legte den Brief an dieser Stelle in das Buch, um später weiterzulesen.
Aber auch das bleibt eine Hypothese.
Der Brief könnte von Helene selbst stammen. Er könnte aber ebenso von einer anderen Person geschrieben worden sein. Wir wissen es nicht.
Und vor allem wissen wir nicht, ob der Inhalt überhaupt etwas mit Michael Stourdza zu tun hatte.
Petra:
"Dann könnte der Brief also einfach nur zufällig an dieser Stelle im Buch gelandet sein?"
Gerd:
"Nicht unbedingt zufällig. Aber wir haben keinen Beweis dafür, warum er dort lag."
Damit verändert sich auch die Frage, die wir uns am Anfang gestellt haben.
Wir haben nach einem möglichen Mord gesucht.
Aber vielleicht haben wir dabei zwei Dinge miteinander verbunden, die ursprünglich gar nicht zusammengehörten.
Die Geschichte von Michaels Tod ist die eine Spur.
Der Brief ist eine andere.
Und zwischen beiden liegt mehr als ein halbes Jahrhundert.
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